
Chancen: Robuste Gewinne, volatile Welt. Der Balanceakt an den Märkten
Die Weltwirtschaft befindet sich in einer Wachstumsphase, während die Gewinnmargen der Unternehmen ein historisch hohes Niveau erreicht haben. Zugleich bleiben die Erwartungen an das Gewinnwachstum ambitioniert und sind seit Jahresbeginn – trotz zwischenzeitlich erhöhter Marktvolatilität – weiter gestiegen. In diesem Umfeld haben sich die Bewertungen zuletzt leicht entspannt, was den Aktienmärkten zusätzlichen Rückenwind verleiht.
Demgegenüber steht jedoch eine unverändert hohe geopolitische Unsicherheit. Die Lage im Nahen Osten bleibt schwer vorhersehbar, und die Störungen in der Energieversorgung könnten länger anhalten als bislang angenommen bzw. erneut wiederkehren. Vor diesem Hintergrund halten wir an einer neutralen Aktienallokation fest, um Chancen und Risiken auszubalancieren.
Die Sicherung von Versorgungsketten im Rahmen neuer, multilateraler Beziehungen prägt aktuell die politischen Prioritäten. Eine hohe Investitionsneigung staatlicher sowie privatwirtschaftlicher Akteure ist zu beobachten. Von diesem Trend können weltweit Unternehmen profitieren.
Regionale Schwerpunkte: Schwellenländer im Vorteil
Regional bevorzugen wir Schwellenländer gegenüber Industrieländern. Sie bieten eine attraktive Kombination aus verbesserten Gewinnaussichten und günstigeren Bewertungen. Zudem profitieren sie überdurchschnittlich vom KI-Boom: Die Halbleiterindustrie verzeichnet eine starke globale Nachfrage nach Chips und Komponenten für KI-Anwendungen.
Ein weiterer unterstützender Faktor ist unsere Erwartung eines leicht schwächeren US-Dollars, was typischerweise positiv für Schwellenländer ist.
Innerhalb der Industrieländer sehen wir US-Aktien weiterhin attraktiver als europäische. Europa wird stärker von hohen Energiepreisen belastet, während die USA zusätzlich vom Innovationsschub rund um Künstliche Intelligenz profitieren.
Künstliche Intelligenz bleibt zentraler Wachstumstreiber
Auf Sektorebene bleiben Industrie und Informationstechnologie besonders interessant.
Die Industrie profitiert von steigenden Verteidigungsausgaben sowie umfangreichen Infrastrukturprogrammen, insbesondere in Europa und Deutschland. Der Technologiesektor – vor allem die Halbleiterindustrie – wird weiterhin vom KI-Boom getragen. Steigende Nachfrage, begrenztes Angebot bei Speicherchips und neue Technologien wie „Advanced Packaging“ treiben Umsätze und Gewinne.
Generell bleibt KI ein zentraler Treiber für das Investoreninteresse. SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, bereitet nach der Fusion mit seinem KI-Start-up xAI einen Börsengang vor. Zugleich wird über mögliche Börsengänge von OpenAI und Anthropic spekuliert, was sich positiv auf die Stimmung im IT-Sektor auswirkt.
“Die Chancen an den Kapitalmärkten sollten nicht unterschätzt werden: Das robuste Gewinnwachstum spiegelt die positive Entwicklung vieler Unternehmen wider, die sowohl vom staatlichen Investitionsschub als auch von den Dynamiken rund um Künstliche Intelligenz profitieren.”
Olivier Raingeard de la Bletiere, Leiter globale Aktienstrategie
Anleihen gewinnen an Attraktivität
Die geopolitischen Spannungen, insbesondere rund um den Iran, erhöhen den Inflationsdruck vor allem über steigende Energiepreise. In der Folge sind die Renditen von Staatsanleihen gestiegen.
Damit weisen auch Unternehmensanleihen nochmals attraktivere Renditen auf: Die sogenannte „All-in-Rendite“ – bestehend aus Staatsanleihenrendite und unternehmensspezifische Risikoprämie – ist deutlich gestiegen. Obwohl wir Anleihen insgesamt neutral einstufen, machen höhere Renditen sie zunehmend attraktiver.
Unser Fokus liegt auf hochwertigen Anleihen, insbesondere Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Sie bieten derzeit attraktivere Renditen als Sparkonten bzw. Staatsanleihen, bei gleichzeitig stabilen Ausfallraten.
Risikoreichere Segmente wie Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen setzen wir gezielt als Beimischung ein. Sie bieten höhere Ertragschancen, gehen jedoch auch mit entsprechend erhöhten Risiken einher.
Gold als stabilisierender Portfolio-Baustein
Gold bleibt ein wichtiger Bestandteil der Diversifikation. Geopolitische Unsicherheiten und steigende Goldkäufe der Zentralbanken dürften die Preise langfristig unterstützen.
Zudem könnte ein schwächerer US-Dollar – unter anderem aufgrund der hohen Staatsverschuldung – die Attraktivität von Gold weiter erhöhen. Kursrückgänge haben wir zuletzt genutzt, um Positionen auszubauen.
Der Balanceakt an den Märkten
Die Kapitalmärkte bewegen sich in einem Spannungsfeld aus starken Fundamentaldaten und anhaltenden geopolitischen Risiken. Eine ausgewogene und flexible Anlagestrategie bleibt entscheidend, um dieses Umfeld erfolgreich zu navigieren.
Olivier Raingeard de la Bletiere, Leiter globale Aktienstrategie


