Javascript is requiredDiversität & Frauen in Führung: Warum Vielfalt sich auszahlt

„Diversität ist wirtschaftlich rational“: Warum Frauen in Führung den Unterschied machen

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Unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven machen unsere Organisation stärker. Sie helfen uns außerdem dabei, unsere Kundinnen besser zu unterstützen. Doch wie erleben die beiden Führungspersönlichkeiten Marguerite Bérard, CEO ABN AMRO Bank N.V., und Choy van der Hooft-Cheong, Chief Commercial Officer (CCO) für Wealth Management, Diversität? Wie nehmen sie Gleichberechtigung wahr? Im Interview berichten sie über ihre Erfahrungen.

Marguerite Bérard und Choy van der Hooft-Cheong gehören beide zur Führungsspitze von ABN AMRO. Sie teilen ähnliche Überzeugungen, bringen jedoch unterschiedliche Hintergründe und Perspektiven mit. Gemeinsam sprechen sie über Verantwortung, die wirtschaftliche Logik von Diversität und darüber, wie wichtig es ist, frühzeitig die richtigen Weichen zu stellen.

Bérard wurde im April 2025 CEO, nachdem sie zuvor bei führenden französischen Banken wie BNP Paribas und der Groupe BPCE sowie im öffentlichen Sektor Frankreichs tätig gewesen war. Van der Hooft-Cheong hingegen arbeitet bereits seit Jahrzehnten bei ABN AMRO und ist seit November 2021 Chief Commercial Officer (CCO) für Wealth Management. Eine wesentliche Eigenschaft verbindet die beiden: ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein gegenüber Kundinnen und Kunden ebenso wie gegenüber Mitarbeitenden.

„Für mich brachte eine Führungsposition ein unerwartet starkes Verantwortungsgefühl für andere mit sich. Man könnte es ein wenig mit der Gründung einer Familie vergleichen“, erklärt Bérard auf die Frage, was sie über Führung gelernt habe. „Bevor man Kinder hat, ist einem nicht vollständig bewusst, dass das eigene Leben danach nie wieder dasselbe sein wird. Dieses Gefühl der Verantwortung für eine große Organisation, für die Kolleginnen und Kollegen, die Kundinnen und Kunden und für die gesellschaftlichen Auswirkungen des eigenen Handelns verschwindet nie ganz. Es wird zu einem Teil der eigenen Persönlichkeit, und genau das empfinde ich als große Bereicherung.“

Van der Hooft-Cheong kennt dieses Gefühl. „Ich erinnere mich noch gut daran, als wir das 200-jährige Bestehen von ABN AMRO gefeiert haben. Rund 15.000 Menschen waren dort. Wenn man das sieht, wird einem plötzlich klar: Wow, all diese Menschen und ihre Familien sind zu einem gewissen Grad davon abhängig, wie erfolgreich wir als Bank sind. Das ist eine enorme Verantwortung. Dasselbe gilt für unsere Kundinnen und Kunden, die uns ihr Vermögen und ihre Zukunft anvertrauen.“

Kulturelle Unterschiede und eine neue Perspektive

Dieses Verantwortungsbewusstsein teilen sie heute auch in der Unternehmensführung. Im vergangenen Jahr kam Bérard aus Frankreich und tauchte in die niederländische Unternehmenskultur ein. Vieles war neu für sie, doch gerade die Unterschiede überraschten sie positiv.

Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat. „Bei wichtigen strategischen Themen veranstalten wir gemeinsame Sitzungen mit dem Aufsichtsrat, dem Vorstand und dem Betriebsrat, zum Beispiel zu den Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf unsere Zukunft. Dass alle Beteiligten konstruktiv zusammensitzen und eine derart offene Diskussion führen können, erlebt man im französischen Kontext nur selten. Das schätze ich wirklich sehr.“

Vorbild sein: bewusst und unbewusst

Kultureller Wandel geschieht nicht von allein. Er braucht Menschen, die bereit sind, sichtbar zu sein, Verantwortung zu übernehmen und als Vorbilder voranzugehen. Doch keine der beiden Frauen hatte bewusst geplant, eine solche Rolle einzunehmen. Ihre Erziehung hatte dabei einen größeren Einfluss, als ihnen viele Jahre lang bewusst war.

Bérard sagt: „Mir wird immer stärker bewusst, wie privilegiert ich war, mit einer Mutter aufzuwachsen, die immer berufstätig war, wichtige Verantwortungsbereiche innehatte und mehr verdiente als mein Vater. Für mich war das völlig normal.“

“Ich erlebe immer noch, dass Frauen sich selbst unterschätzen.”

Marguerite Bérard, CEO ABN AMRO Bank N.V

In der Praxis beobachtet sie jedoch häufig das Gegenteil. „Ich erlebe immer noch, dass Frauen sich selbst unterschätzen. Wenn wir eine Stelle ausschreiben, bewerben sich Männer häufig ganz selbstverständlich darauf. Frauen müssen dagegen oft aktiv dazu ermutigt werden. Und wenn es um Gehaltsverhandlungen geht, fällt es vielen noch schwerer.“

Auch Van der Hooft-Cheong wuchs in einer Familie auf, in der finanzielle Unabhängigkeit gefördert wurde. „Erst später habe ich erkannt, dass ich für andere ein Vorbild war, nämlich als mich andere Menschen darauf aufmerksam machten. Heute engagiere ich mich aktiv dafür, anderen Frauen Chancen zu eröffnen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Bank über eine Stiftung.“

„Lehman Sisters“ und die wirtschaftliche Bedeutung von Diversität

Wenn Frauen sich weiterhin selbst zurückhalten, stellt sich eine wichtige Frage: Was verändert sich eigentlich, wenn mehr Frauen Führungspositionen erreichen?

Bérard erinnert daran, wie Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, einmal laut darüber nachdachte, ob Lehman Brothers ebenfalls zusammengebrochen wäre, wenn die Bank „Lehman Sisters“ geheißen hätte.

„Ich weiß nicht, ob die Antwort Nein lauten würde, aber es ist ein interessanter Gedanke. Ich persönlich glaube fest an die Kraft der richtigen Mischung und an Diversität. Unser Vorstand vereint kulturelle Vielfalt, Geschlechtervielfalt und verschiedene Generationen. Das macht uns zu einem starken Team. Wir alle betrachten Probleme aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Diversität ist kein politisch korrektes Kästchen, das wir abhaken müssen. Sie ist schlicht wirtschaftlich sinnvoll. Warum sollte man auf die Hälfte der verfügbaren Talente und damit auf die Hälfte der Menschheit verzichten? Wirtschaftlich ergibt das keinen Sinn.“

Finanzielle Unabhängigkeit: vom Wohnzimmer bis in die Vorstandsetage

Was für Unternehmen gilt, zeigt sich ebenso deutlich bei den Kundinnen und Kunden.

Van der Hooft-Cheong erklärt: „Ich beobachte das insbesondere bei Unternehmerinnen. Ihre Unternehmen wachsen häufig langsamer, weil sie es vorziehen, alles aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Wir helfen ihnen zu verstehen, dass externe Finanzierung tatsächlich ein Beschleuniger für ihr Unternehmen sein kann. Wir zeigen ihnen, welche Möglichkeiten es gibt.“

Bérard stimmt ihr zu und ergänzt: „Das wichtigste finanzielle Prinzip, das alle Frauen verstehen sollten, ist die Kraft des Zinseszinseffekts. Man muss früh anfangen. Frauen treffen finanzielle Entscheidungen häufig erst später im Leben, beispielsweise weil sie zunächst angestellt waren, während ihre Ehemänner Unternehmer waren. Dieses Abwarten hat finanzielle Folgen.“

“Ich erinnere mich noch gut daran, als wir das 200-jährige Bestehen von ABN AMRO gefeiert haben. Rund 15.000 Menschen waren dort. Wenn man das sieht, wird einem plötzlich klar: Wow, all diese Menschen und ihre Familien sind zu einem gewissen Grad davon abhängig, wie erfolgreich wir als Bank sind.”

Choy van der Hooft-Cheong, Chief Commercial Officer (CCO) für Wealth Management

Die unbequeme Wahrheit

Auch die Finanzbranche selbst kann es sich nicht leisten zu warten. Neue Marktteilnehmer entstehen, und künstliche Intelligenz gewinnt täglich an Bedeutung. Wie sollten Banken darauf reagieren?

Van der Hooft-Cheong richtet den Blick vor allem auf Bildung und die nächste Generation. „Die Welt wird immer komplexer, doch unser Bildungssystem ist noch immer weitgehend traditionell ausgerichtet. Finanzbildung erhält nach wie vor nicht die Priorität, die sie verdient. Ich bin überzeugt davon, dass die Finanzbranche hier eine wichtige Aufgabe übernehmen kann.“

Sie verweist auf den großen Vermögenstransfer, der zwischen den Generationen stattfinden wird.

„Die nächste Generation wird erhebliche Vermögen erben, fühlt sich damit aber nicht immer wohl. Sie möchte das Geld nicht verschwenden und gleichzeitig eine positive gesellschaftliche Wirkung erzielen sowie Menschen unterstützen, die weniger Chancen hatten“, erklärt sie. „Das ist ein grundlegend anderes und unglaublich interessantes Gespräch als jene Gespräche, die wir noch vor zehn Jahren mit unseren Kundinnen und Kunden geführt haben.“

Bérard erweitert die Perspektive auf Europa insgesamt. „Europa fällt in Bereichen wie Technologie und Verteidigung zurück, weil wir als Reaktion auf die vergangene Finanzkrise einen so starken Fokus auf Sicherheit gelegt haben. Doch zu sehr an der Illusion von Sicherheit festzuhalten und deshalb untätig zu bleiben, ist langfristig das größte Risiko überhaupt.“

Sie fährt fort: „In den vergangenen Jahren haben wir enormen Wert auf Sicherheit und Stabilität gelegt, insbesondere im Finanzsektor. Doch auch damit sind unsichtbare Kosten verbunden. Wir müssen Risiken eingehen, allerdings auf verantwortungsvolle Weise. Genau das ist unsere Aufgabe als Bank: Wir wissen, wie man Risiken steuert. Indem wir unserer Rolle als verantwortungsvoller Finanzierer der Wirtschaft gerecht werden, können wir dazu beitragen, die großen Transformationsprozesse Europas zu finanzieren und Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu ermöglichen. Und darin sehe ich große Chancen für ABN AMRO.“

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