
Impact Investing: Positive Wirkung mit Aktien
Family Officer stehen vor der Aufgabe, langfristige Vermögensziele mit den Wertevorstellungen ihrer Mandantinnen und Mandanten in Einklang zu bringen. Impact Investing kann dafür einen strategischen Baustein liefern: Es verbindet die Chancen globaler Aktienmärkte mit dem Anspruch, Kapital gezielt in Unternehmen mit messbarer positiver Wirkung für Umwelt und Gesellschaft zu lenken.
Für Family Offices hat sich nachhaltiges Investieren in den vergangenen Jahren von einem ergänzenden zu einem strategischen Thema entwickelt. Viele vermögende Familien möchten Kapital nicht nur langfristig erhalten und vermehren, sondern es auch im Einklang mit ihren Werten einsetzen. Dabei lässt sich zwischen klassischen Anlegern, nachhaltigen Anlegern mit ESG-Ansatz nach Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung und Anlegern mit Impact-Anspruch nach Artikel 9 unterscheiden. ESG-Strategien berücksichtigen Nachhaltigkeitsaspekte innerhalb der Geldanlage. Beim Impact Investing geht es darum, Unternehmen zu identifizieren, deren Produkte und Dienstleistungen eine positive Wirkung auf Umwelt und Gesellschaft entfalten. Über den Erwerb von Aktien können Family Offices diese Wirkung indirekt in die strategische Vermögensallokation einbinden.
Klassische ESG-Anlagestrategien dienen in Family-Office-Portfolios häufig der Reduktion von Nachhaltigkeitsrisiken, die sich negativ auf Unternehmenswert, Reputation oder Aktienkurs auswirken könnten. Dazu zählen öffentlichkeitswirksame Skandale wie verunreinigte Babynahrung, steigende Nachrüstungskosten wegen Hitze, Dürre oder Unwetterschäden, der Verlust eines ehemals technologischen Vorsprungs aufgrund strengerer Umweltgesetze oder mangelnde Wettbewerbsfähigkeit wegen ressourcenintensiver Produkte. Nachhaltigkeit wird dabei oft als Qualitäts- und Risikokriterium verstanden: Unternehmen sollen bei Umwelt, Sozialem und guter Unternehmensführung belastbare Standards erfüllen. Die Treibhausgasemissionen dürfen nicht zu hoch, und das Geschlechterverhältnis muss ausgewogen sein. Der Anteil recycelter Materialien darf nicht zu klein sein und die Anzahl von Arbeitsunfällen nicht zu hoch. Beschwerden von Kundinnen und Kunden, Verbraucherschützern oder NGOs sollten nicht zu häufig vorkommen. Ziel ist es, finanzielle Verluste durch ein unzureichendes Nachhaltigkeitsmanagement möglichst zu vermeiden.
Realistisch Einordnen
Da die meisten börsennotierten Unternehmen keine Impact-Unternehmen sind, ist das Anlageuniversum kleiner und bildet den Gesamtmarkt thematisch nicht vollständig ab. Dennoch lassen sich Impact-Aktien in nahezu allen Sektoren und Regionen finden.
Impact-Strategien legen ebenfalls Wert auf solide Nachhaltigkeitsstandards, gehen aber noch einen Schritt weiter. Für Family Offices steht dabei die Frage im Mittelpunkt, ob Kapital gezielt in Unternehmen investiert werden kann, die mit ihren Geschäftsmodellen nachweisbar einen positiven Nutzen für Umwelt und Gesellschaft bieten. Es geht nicht nur darum, Emissionen zu verringern, sondern Technologien und Dienstleistungen zu fördern, damit sie gar nicht erst entstehen. Diversitätsziele sollen nicht nur dank interner Richtlinien erreicht werden, sondern ein Ergebnis von angemessenen Bildungs-, Gesundheits-, Finanz- und Betreuungsangeboten sein. Impact-Unternehmen nutzen nicht nur Recyclingmaterialien, sondern entwickeln häufig selbst Kreislauflösungen oder wiederverwendbare Produkte. Sie reduzieren nicht nur Arbeitsunfälle, sondern stellen sicherheitsstiftende Produkte her. Sie sehen den Austausch mit Kunden, Investoren und der breiten Öffentlichkeit als Chance, Bereicherung und Quelle von Inspiration. Damit kann Impact Investing für Familienvermögen eine Brücke schlagen zwischen finanzieller Zielsetzung, Wertorientierung und Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Ein zentrales Merkmal von Impact-Strategien ist das aktive Engagement. Zwar sollen Impact-Portfolios bevorzugt Unternehmen enthalten, die Umwelt und Gesellschaft positiv beeinflussen. In der Praxis entspricht die Geschäftstätigkeit jedoch selten vollständig einem Idealbild. Häufig muss ein Unternehmen zunächst nachweisen, dass ein bestimmter Mindestanteil seiner Netto-Umsätze einer positiven Wirkung zugeordnet werden kann – beispielsweise entlang der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (UN-SDGs). Es bleiben also immer Aktivitäten, deren Wirkung weniger eindeutig ist, oder aktuelle Kontroversen, die genauer betrachtet werden müssen. Impact-Investoren suchen deshalb den direkten Dialog mit bestehenden oder potenziellen Portfoliounternehmen. Sie prüfen die Impact-These, hinterfragen kritische Geschäftsaktivitäten und begleiten Entwicklungen über mehrere Jahre. Für Family Offices schafft dieser Prozess mehr Transparenz darüber, wie Kapital eingesetzt wird und ob die angestrebte Wirkung tatsächlich plausibel bleibt. Bleibt eine positive Entwicklung aus, kann auch die Umschichtung in ein überzeugenderes Unternehmen Teil der Verantwortung sein.
Impact-Portfolios eignen sich insbesondere für Family Offices, die finanzielle Rendite mit einer nachvollziehbaren ideellen Rendite verbinden möchten. Dennoch sollten Family Offices diese Anlageform realistisch einordnen: Da die meisten börsennotierten Unternehmen keine Impact-Unternehmen sind, ist das Anlageuniversum kleiner und bildet den Gesamtmarkt thematisch nicht vollständig ab. Dennoch lassen sich Impact-Aktien in nahezu allen Sektoren und Regionen finden. So können gut diversifizierte Portfolios mit kleinen, mittleren und großen Unternehmen aufgebaut werden. Durch aktives Management lassen sich vergleichbare Renditen wie bei anderen Investmentansätzen erzielen. In einzelnen Marktphasen oder bei bestimmten Titeln können die Schwankungen allerdings höher ausfallen. Umso wichtiger ist eine klare Einbindung in die Gesamtallokation des Familienvermögens.