
Hauptartikel: Investieren in einer Welt knapper werdender Ressourcen
In den vergangenen drei Jahrzehnten profitierten Unternehmen von einer hohen Verfügbarkeit vergleichsweise kostengünstiger Ressourcen. Energie war in ausreichendem Umfang verfügbar, Lieferketten wurden konsequent auf Effizienz ausgerichtet und der technologische Fortschritt bewirkte kontinuierliche Produktivitätssteigerungen.
Gegenwärtig zeichnet sich jedoch bei immer mehr Ressourcen eine Knappheit ab. Von Wasser und Strom bis hin zu Rohstoffen entwickelt sich die Ressourcenknappheit zu einem der maßgeblichen Anlagethemen des kommenden Jahrzehnts. Wir stellen Unternehmen vor, die voraussichtlich von dieser Entwicklung profitieren werden, aber auch solche, die Lösungen zur Bewältigung der Herausforderungen entwickeln.
Die weltweite Nahrungsmittelversorgung gerät aufgrund einer Kombination aus klimabedingten Störungen und einer steigenden geopolitischen Instabilität unter Druck. Ein wesentlicher Einflussfaktor ist El Niño, ein wiederkehrendes Klimaphänomen, das die globalen Wetterverhältnisse vorübergehend verändert. Es entsteht, wenn die Wassertemperaturen im Pazifik über das langjährige Mittel steigen. Dies führt in einigen Regionen zu Dürren und in anderen zu übermäßigen Niederschlägen, wodurch die landwirtschaftliche Produktion beeinträchtigt wird. In der Vergangenheit führte El Niño zu einem Rückgang der weltweiten Ernteerträge bei Mais um rund 2,3 Prozent, bei Weizen um 1,4 Prozent und bei Reis um 0,4 Prozent1.Wetterextreme als Belastungsprobe für die Landwirtschaft
Die aktuelle El-Niño-Phase könnte stärkere Störungen hervorrufen als üblich. Meteorologen erachten die Wahrscheinlichkeit eines starken oder sogar sehr starken El-Niño-Ereignisses bis Anfang 2027 als hoch. Folglich könnte das Dürrerisiko in wichtigen Agrarregionen zunehmen, darunter Australien, Südostasien, Indien und Teile Lateinamerikas. Geringere Ernteerträge, insbesondere bei Weizen, Reis, Zucker und Palmöl, könnten erneut Schwankungen der Lebensmittelpreise sowie einen Anstieg der Inflation bewirken. Dies ist bereits in mehreren Ländern, insbesondere in Schwellenländern, erkennbar. Gleichzeitig belasten geopolitische Spannungen weiterhin die Düngemittel- und Energiemärkte und verstärken den Druck auf die globale Versorgung.
Untersuchungen zufolge könnte damit die Phase der strukturell niedrigen Lebensmittelinflation zu Ende gehen. Allein klimabedingte Störungen könnten die globale Lebensmittelinflation bis 2035 um jährlich 0,9 bis 3,2 Prozentpunkte erhöhen2. Steigende Lebensmittelpreise wirken sich in Schwellenländern stärker auf die Gesamtinflation aus als in Industrieländern, da die dortigen Haushalte einen größeren Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aufwenden. Darüber hinaus erhöhen die geringe Rentabilität der Landwirtschaft, steigende Arbeitskosten und strengere Umweltstandards die Produktionskosten. Regierungen und Nahrungsmittelhersteller räumen der Versorgungssicherheit generell eine höhere Priorität ein als den Kosten.
Wasser als Schlüsselfaktor für Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit
Die Wasserknappheit entwickelt sich rasant zu einem ökologischen und wirtschaftlichen Problem. Bereits heute leben rund drei Viertel der Weltbevölkerung in Regionen, in denen die Süßwasserressourcen eingeschränkt sind3. Die aktuelle Dürrephase in Europa, Tiefstände in Flüssen wie Rhein und Donau sowie die wachsenden Sorgen über die Verfügbarkeit von Wasser in Teilen der USA und Großbritanniens verdeutlichen, dass Wasserarmut nicht mehr nur traditionell wasserarme Regionen betrifft. Niedrige Wasserstände beeinträchtigen die Schifffahrt, die industrielle Produktion und die Energieerzeugung. Daraus resultieren steigende Kosten und Engpässe in den Lieferketten.
Auch der steigende Bedarf von Rechenzentren verschärft die Wasserknappheit. Diese sind für KI und Cloud-Computing unverzichtbar, benötigen jedoch erhebliche Wassermengen zur Kühlung. Weltweit erhöhen Regierungen daher ihre Investitionen in Wasserinfrastruktur, Speicherkapazitäten, Entsalzung und Wiederaufbereitung – ein Zeichen für die wachsende Bedeutung von Wasser für das Wirtschaftswachstum, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und die langfristige Produktivität.
Kritische Rohstoffe im Zeitalter von KI und Elektrifizierung
Gegenwärtig wirkt die Ressourcenknappheit über Lebensmittel und Wasser hinaus. Der Übergang zu einer digitalisierten und elektrifizierten Wirtschaft erfordert unter anderem größere Mengen an Kupfer, Lithium, Seltenen Erden und weiteren kritischen Mineralien. Der Kupferpreis steht in besonderem Maße für diese Entwicklung: S&P Global schätzte im Jahr 2022, dass sich die Nachfrage nach Kupfer bis 2035 etwa verdoppeln könnte4. Maßgebliche Treiber sind Investitionen in erneuerbare Energien, Stromnetze, Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und Verteidigungsinfrastruktur. Langwierige Genehmigungsverfahren für neue Bergbauprojekte, sinkende Fördermengen und Investitionsrückgänge in der Vergangenheit dämmen das Wachstum jedoch ein. Prognosen zufolge dürfte dies in den kommenden Jahren zu strukturellen Engpässen führen5. Die Sicherung des Zugangs zu kritischen Rohstoffen ist daher für zahlreiche Regierungen zu einer strategischen Priorität geworden.
USA, Europa, Australien und Südkorea erweitern ihre Lagerbestände und fördern die heimische Produktion von Rohstoffen wie Kupfer und Lithium. Dennoch sind viele Länder abhängig von China: Das Land kontrolliert rund 90 Prozent der Verarbeitung von Seltenen Erden, 60 Prozent der Lithiumverarbeitung und mehr als die Hälfte der weltweiten Kupferveredelung6.
Auch wegen der KI nimmt der Wettbewerb um knappe Rohstoffe zu. Die steigende Nachfrage nach fortschrittlichen Speicherchips setzt die Lieferketten der Halbleiterindustrie erheblich unter Druck. Unternehmen wie Micron und SK Hynix gehen davon aus, dass der Chipmangel bis Ende dieses Jahrzehnts bestehen könnte. Die Herstellung dieser Chips ist auf knappe Ressourcen wie Helium, spezielle Chemikalien und hochreines Wasser angewiesen.
Chancen in Zeiten wachsender Engpässe
Die Engpässe bei Nahrungsmitteln, Wasser und kritischen Rohstoffen prägen die Weltwirtschaft – unabhängig davon, ob sie durch den Klimawandel, geopolitische Entwicklungen, die Energiewende oder den Aufstieg der KI verursacht werden. Für Investoren können sich aus diesen Herausforderungen Chancen ergeben. Unternehmen, die knappe Ressourcen fördern, könnten von einer stärkeren Preissetzungsmacht und einer anhaltenden Nachfrage profitieren, beispielsweise das Bergbauunternehmen Glencore, Corteva als Hersteller von Pflanzenschutzmitteln und Saatgut sowie der Düngemittelhersteller Nutrien.
Gleichzeitig können Unternehmen, die Volkswirtschaften bei der Anpassung an die Ressourcenverknappung unterstützen, von wachsenden Investitionen in Resilienz, Infrastruktur und Ressourceneffizienz profitieren. Dazu gehören Unternehmen aus den Bereichen Wasseraufbereitung und wasserbezogene Technologien wie Veralto und Xylem, Anbieter von Energietechnik und Energiemanagementlösungen wie Siemens Energy und Schneider Electric sowie Anbieter von Kühlsystemen für Rechenzentren wie Vertiv.
1 Morgan Stanley – Hamsterkäufe, Verknappung und sichere Anlagen (August 2026).
2 UBS, „Das Ende der günstigen Lebensmittel?“, August 2026.
3 Bloomberg Intelligence.
4 S&P Global, Juli 2022.
5 BCA Research – Der Anstieg der Energiepreise wird die Inflation weiter in die Höhe treiben (August 2026)
6 Morgan Stanley – Konsolidierung, Verknappung und Regionalisierung (Dezember 2025).

