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Wochenkommentar: Sektorrotation prägt die globalen Aktienmärkte

Die globalen Aktienmärkte verzeichneten diese Woche eine erhöhte Volatilität, wobei sich der MSCI World Index trotz erheblicher Bewegungen weitgehend unverändert zeigte. Höhere Energiepreise und gestiegene Renditen für US-Staatsanleihen prägten das Marktumfeld, was die Nachfrage nach defensiven Investments wieder ansteigen ließ, während zinssensitive Wachstumswerte unter Druck gerieten.

Die Rohölsorte Brent legte aufgrund von Anzeichen eines sich verknappenden Angebots und erneuten geopolitischen Risiken zu, während robuste volkswirtschaftliche Daten in den USA sowie Unsicherheiten hinsichtlich der Geldpolitik der US-Notenbank Fed für steigende Renditen an den Anleihemärkten sorgten. Somit führten höhere Ölpreise und Zinsen zu einer Sektorrotation – weg von Wachstums- und zyklischen Werten hin zu Energie-, Finanzdienstleistungs- und defensiveren Titeln.

Die regionale Entwicklung verlief ebenfalls uneinheitlich. US-Aktien zeigten sich insgesamt widerstandsfähiger, gestützt durch den Energiesektor sowie einige große Unternehmen im Bereich der Finanzdienstleistungen. Europa blieb hinter den Erwartungen zurück, da Handelssorgen und ein stärkerer Euro Exporteure, Industrieunternehmen und Technologiewerte belasteten. Japan blieb ebenfalls deutlich zurück, bedingt durch den anhaltenden Druck aus der Währungsdynamik und das Engagement in export- und technologieempfindlichen Sektoren. Auch die Märkte in den Schwellenländern gaben nach, wobei Südkorea von einer Umschichtung weg von Aktien aus den Bereichen Künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter betroffen war.

Die Sektorrotation spiegelte diese makroökonomischen Kräfte wider. Der Energiesektor war dabei führend, da besonders integrierte Ölkonzerne und Explorationsunternehmen profitierten. Nichtzyklische Sektoren wie Basiskonsumgüter und das Gesundheitswesen hielten sich ebenfalls gut, da Anleger auf die Visibilität von Gewinnen setzten. Finanzdienstleistungen profitierten von gestiegenen Zinsen, während die Sektoren Technologie, Industrie und Grundstoffe hinterherhinkten, da Anleger ihr Engagement in zyklischeren und zinssensitiven Bereichen reduzierten.

Auf Unternehmensebene untermauerte der langfristige Halbleiter-Liefervertrag zwischen Apple und Broadcom die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und die zukünftige Produktentwicklung. AstraZeneca geriet unter Druck, nachdem enttäuschende Ergebnisse einer kardiovaskulären Studie zu einem seiner Medikamente Zweifel an dessen kommerziellem Potenzial aufkommen ließen. Die Deutsche Telekom blieb im Fokus, nachdem Berichte bekannt geworden waren, wonach das Unternehmen strukturelle Optionen im Zusammenhang mit T-Mobile US prüft und sich die Aussichten für Rentabilität, Cashflow und Gewinnwachstum verbessert haben. Agnico Eagle meldete am 1. Juli eine Gesteinsmassenbewegung im Goldtagebau Barnat bei Canadian Malartic in Kanada, wodurch der Bergbaubetrieb vorübergehend eingestellt wurde. Es wurden keine Verletzungen oder Sachschäden gemeldet. Wir erwarten jedoch, dass die Produktion in der zweiten Jahreshälfte 2026 um 60.000 bis 80.000 Unzen Gold zurückgeht, sodass die Gesamtjahresproduktion voraussichtlich am unteren Ende der Prognosespanne von 3,3 bis 3,5 Millionen Unzen liegen wird.

Anleihen: Geopolitik überlagert die geldpolitische Debatte

Die Zinsen in Europa stiegen diese Woche um 0,2 Prozentpunkte, da sich die Lage im Nahen Osten erneut verschärfte. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen erreichten 3,1 Prozent und die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen näherten sich 4,6 Prozent, da die geopolitischen Risiken wieder zunahmen.

Anfang dieser Woche konzentrierten sich die Finanzmärkte noch nicht auf die Straße von Hormus. Die Zentralbanker zeigten sich bei ihrem jährlichen Treffen in Sintra, Portugal, etwas entspannter in Bezug auf die Bekämpfung der Inflation. Der US-Arbeitsmarktbericht vom Donnerstag zeigte nach einer Reihe starker Zahlen einige Schwächen auf, was der Fed potenziellen Spielraum lässt, die von den Märkten weiterhin eingepreisten Zinserhöhungen zu vermeiden.

Während die Nachfrage im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) anzuhalten scheint, könnten andere Bereiche der Volkswirtschaft gegen Ende dieses Jahres eine weitere Abschwächung erleben, auch in den USA. Zinssenkungen durch die Fed in der ersten Hälfte des nächsten Jahres würden die Märkte überraschen und könnten Chancen für Anleger bieten, die Anleihen kaufen oder die Duration an den US-Märkten erhöhen möchten.

Bei europäischen Anleihen dürfte es weniger Chancen geben, selbst wenn die Europäische Zentralbank (EZB) aufgrund der jüngst gestiegenen Ölpreise weniger besorgt über die Zweitrundeneffekte einer künftigen Inflation ist. Die Aussichten für europäische Staatsanleihen werden allmählich durch politische Unsicherheiten im Jahr 2027 getrübt. In Italien finden voraussichtlich im April kommenden Jahres Wahlen statt. Diese könnten mit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich zusammenfallen, bei denen Christine Lagarde – die möglicherweise die EZB vorzeitig verlassen würde, um gegen Marine Le Pen anzutreten – kandidieren könnte. Politische Stabilität bleibt in den meisten europäischen Ländern ein Thema, weshalb einige Anleger Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen bevorzugen, um damit das Fundament ihres Portfolios zu bilden.

Das Ausfallrisiko von Unternehmen erscheint derzeit attraktiver als das Risiko europäischer Staatsanleihen. Nur eine tatsächliche Rezession könnte diese Entwicklung zunichtemachen, doch das scheint weder in diesem noch im nächsten Jahr wahrscheinlich. Die größten Risiken gehen weiterhin von der geopolitischen Lage aus, wie die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran in den letzten Tagen gezeigt haben. Die Ölpreise drehten nach oben und erreichten sehr schnell einen Höchststand von über 80 US-Dollar. Sollte die Straße von Hormus erneut blockiert werden, gewinnen sämtliche Negativszenarien wieder an Aktualität und müssen möglicherweise sogar als Basisszenario herangezogen werden.

Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr


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