
Wochenkommentar: Konflikt im Nahen Osten bewegt die Finanzmärkte
Die Aktienmärkte werden stark von den militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten beeinflusst.
Dennoch hat sich der MSCI World Index nicht dramatisch verändert. Seit dem 28. Februar, dem Beginn der Militäraktion, ist der Index um 5 % gefallen. Der größte Teil dieses Rückgangs erfolgte in der Woche unmittelbar nach den ersten Ereignissen.
Mit einer Rendite von 4,28 % für zehnjährige US-Staatsanleihen und 2,97 % für zehnjährige deutsche Bundesanleihen scheint sich auf den Anleihemärkten nicht viel zu tun. Diese Niveaus sind im Januar und Februar relativ unverändert geblieben.
Seit dem US-amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran sanken die Renditen zunächst, stiegen jedoch wieder an, da die Öl- und Gasinfrastruktur zunehmend angegriffen wird. Sollte sich dies fortsetzen, eskaliert der Krieg weiter, und höhere Öl- und Gaspreise könnten zu einem Problem für eine künftige (höhere) Inflation werden.
In einem solchen Szenario könnten die Zentralbanken in ihrer Rhetorik eine strengere Haltung einnehmen, da sie Zinserhöhungen signalisieren, um Inflationsrisiken entgegenzuwirken. Dies würde in Europa stärker zu spüren sein als in den USA, da Europa stärker von Energieimporten abhängig ist. Bei Staatsanleihen ist es nicht zu einer klassischen Flucht in sichere Anlagen gekommen, da die Inflation die Laufzeitprämien am langen Ende der Zinskurve nach oben treiben könnte.
Das derzeitige absolute Renditeniveau scheint vorerst auszureichen, um Staatsanleihen in ihren seit Sommer 2025 bestehenden Handelsspannen zu halten. Auch die Kreditrisikoaufschläge (Spreads) für Unternehmensanleihen sind leicht gestiegen, doch handelt es sich hierbei um eine relativ verhaltene Entwicklung, da man eigentlich eine stärkere Ausweitung und höhere Gesamtrenditen erwartet hätte.
Betrachtet man ein breiteres Spektrum an Finanzinstrumenten, so scheint es, dass die Marktteilnehmer nach wie vor davon ausgehen, dass die derzeitige angespannte Lage im Nahen Osten innerhalb eines kurzen Zeitraums von 8 bis 10 Wochen gelöst werden könnte. Der Markt kann sich darauf einstellen. Doch angesichts der weiteren Eskalation und der Angriffe auf die Energieinfrastruktur könnte es nun bedeuten, dass die Rückkehr zur „Normalität“ durch die Instandsetzung und Wiederaufnahme der Öl- und Energieproduktion mehr Zeit in Anspruch nehmen könnte.
Die Ölpreisbewegungen stehen in engem Zusammenhang mit den verschiedenen Anlageklassen. Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin hochwertige Unternehmensanleihen und das kurze Ende der Laufzeitenkurve, da wir eine restriktive Haltung der Zentralbanken erwarten. Es ist noch zu früh, um Anleihen mit langer Laufzeit zu kaufen und Anleihen mit geringerer Bonität, wie z. B. Hochzinsanleihen, zu erwerben, obwohl sich in den kommenden Wochen Chancen ergeben könnten.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr