
Wochenkommentar: Energiepreise belasten Marktstimmung
Der militärische Konflikt zwischen den USA und Israel mit dem Iran blieb das dominierende Thema an den Märkten, führte zu erheblichen Schwankungen an den Energiemärkten und beeinflusste die Erwartungen hinsichtlich der Politik der Zentralbanken. Die Ölpreise werden weiterhin von der Marktstimmung hinsichtlich möglicher Freigaben strategischer Ölreserven und der Sicherung von Seewegen bestimmt.
Insgesamt bleibt der Iran-Konflikt ein wichtiger Unsicherheitsfaktor für die Inflation und das Wirtschaftswachstum. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung zwischen geopolitischen Ereignissen und Wirtschaftsdaten werden die tatsächlichen Auswirkungen jedoch erst in den kommenden Wochen und Monaten sichtbar werden.
In dieser Woche setzte sich die Umschichtung von Value- in Wachstumsaktien fort, wenn auch in moderaterem Umfang als in der Vorwoche. Seit Ende letzter Woche verzeichnen insbesondere der Technologiesektor, doch auch Kommunikationsdienstleister und Energieunternehmen eine überdurchschnittliche Wertentwicklung. Umgekehrt waren die Sektoren Immobilien, Finanzdienstleistungen, nicht-zyklischer Konsum, Versorger und Gesundheitswesen weltweit etwas schwächer.
Vor diesem Hintergrund und nach der ausgeprägten Wertentwicklung der USA in der vergangenen Woche haben sich in der letzten Zeit keine nennenswerten regionalen Unterschiede in der Wertentwicklung verzeichnet.
Thematisch hat sich das Bild gegenüber der letzten Woche teilweise umgekehrt. Aktien aus den Bereichen Erneuerbare Energie und Künstliche Intelligenz (KI) schnitten am besten ab, bei einer Wertentwicklung, die insbesondere von KI-Infrastrukturunternehmen getragen wurde. Umgekehrt blieben Unternehmen, die als anfällig für KI-Disruptionen gelten, insbesondere im Softwarebereich, zurück. Trotz des geopolitischen Hintergrunds notierte auch die Verteidigungsindustrie insgesamt schwächer.
Anleihen: Wenn das Öl spricht, hören die Märkte zu
Der Iran-Konflikt ist in seine zweite Woche gegangen und beeinflusst die Märkte weiterhin vor allem durch seine Auswirkungen auf den Energiesektor. Brent-Rohöl wurde zwischen 85 und 100 US-Dollar gehandelt und stieg kurzzeitig über 120 US-Dollar, bevor es wieder zurückfiel, wobei die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus nicht zurückging. Vorerst sind makroökonomische Faktoren in den Hintergrund getreten, da die Marktdynamik von geopolitischen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die Energieversorgung und die Inflationserwartungen dominiert wird.
Die Märkte für Staatsanleihen haben keine klassische Flucht in sichere Anlagen verzeichnet. Stattdessen sind die Renditen gestiegen, da die Anleger die inflationären Auswirkungen der höheren Energiepreise neu bewerten und ihre Erwartungen hinsichtlich einer Lockerung der Geldpolitik zurückschrauben. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen liegen rund 25 Basispunkte höher als vor dem Konflikt. Sie liegen derzeit bei etwa 4,23 %. In Europa ist ein ähnlicher Trend zu beobachten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist um rund 30 Basispunkte gestiegen und liegt nun bei etwa 2,93 %. Der Markt preist derzeit zwischen einer und zwei Zinserhöhungen durch die EZB im Jahr 2026 ein, da die Anleger die Inflationsaussichten neu bewerten.
Die Kreditmärkte verzeichnen eine geringe Neubewertung, insbesondere bei US-Hochzinsanleihen, wo die Kreditrisikoaufschläge (Spreads) zwischen Euro und US-Dollar mit rund 300 Basispunkten weiterhin deutlich unter dem historischen Durchschnitt liegen. Gleichzeitig zeigen private Kredite zunehmend Anzeichen von Belastungen, wobei erhöhte Rückzahlungsaktivitäten und selektive Kreditabschreibungen zu einer vorsichtigeren Haltung beitragen.
In den Schwellenländern ist in mehreren Regionen Druck zu spüren, wobei die Spreads in Afrika, dem Nahen Osten und Osteuropa aufgrund des Konflikts im Nahen Osten Schwankungen unterliegen.
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Risiken bevorzugen wir weiterhin hochwertige Unternehmensanleihen, während wir unser Engagement in Hochzinsanleihen begrenzt halten und eine neutrale Haltung gegenüber Schwellenländeranleihen einnehmen. Wir werden die Entwicklungen im Nahen Osten, insbesondere die Lage um die Straße von Hormus, die Volatilität der Ölpreise und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Spreads weiterhin beobachten. Dieses Umfeld erfordert einen vorsichtigen Ansatz, bis mehr Klarheit herrscht.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr