
Der September hat seinem Ruf als traditionell schwacher Börsenmonat erneut alle Ehre gemacht. Rasant steigende Anleiherenditen, anhaltende Zinssorgen sowie höhere Energiepreise belasteten die Markstimmung und führten in den USA wie auch in Europa zu Kursrückgängen. Technologielastige Indizes setzten sich dank der Stärke vieler KI-Werte zwar positiv vom Gesamtmarkt ab. In der Marktbreite dominierten jedoch weiterhin Belastungsfaktoren wie Inflation, Geldpolitik und geopolitische Unsicherheiten. Auch in den vergangenen Handelstagen prägte die Lage im Nahen Osten das Marktgeschehen. US-Präsident Trump wies Vorschläge des Iran für einen Waffenstillstand und die Öffnung der Straße von Hormus zurück, stellte aber weitere Verhandlungen in Aussicht. Friedensvermittler drängen den Iran zu einem Zugeständnis in seinem Atomprogramm, um die Gespräche mit den USA wiederzubeleben. Trotz negativer Vorgaben aus Asien, ausgelöst durch Sorgen über hohe KI-Bewertungen, Sicherheitsrisiken sowie erneut steigende Energiepreise und Anleiherenditen, zeigten sich die europäischen Aktienmärkte zum Wochenauftakt robust. Anleger setzten weiterhin auf eine Entspannung zwischen den USA und dem Iran. Rückenwind erhielten diese Erwartungen durch Berichte, wonach Katar eine wichtige Vermittlerrolle übernommen hat. In der Folge gaben die für die Kapitalmärkte als Krisenbarometer geltenden Energiepreise und die zuvor auf neue Mehrjahreshoch gestiegenenen Staatsanleiherenditen etwas nach. Rückenwind lieferten niedriger als erwartet ausgefallene US-Teuerungsdaten und Aussagen des New Yorker Fed-Präsidenten John Williams, wonach die die US-Notenbank bei weiteren Zinserhöhungen nicht unter Zeitdruck stehe. Neben positiven Unternehmensnachrichten, etwa von Micron und NVIDIA, erhielt der Technologiesektor politische Unterstützung: Trump sprach sich nach Gesprächen mit Branchenvertretern bei der KI-Regulierung für freiwillige Selbstverpflichtungen, Selbstregulierung und eine begrenzte Aufsicht aus.
Renten-, Devisen- und Rohstoffmärkte
Unter anhaltend hohem Aufwärtsdruck standen Staatsanleiherenditen angesichts der auf hohen Niveaus verharrenden Energiepreisen und Teuerungsdaten. Im Wochenverlauf wurden über einige Laufzeitbänder neue Mehrjahreshochs verzeichnet, etwa bei 10- und 30-jährigen Treasuries mit 5,34% bzw. 5,65% (höchste Stände seit 2002). Ein unter der Woche hohes Emissionsvolumen verschärfte die Nervosität an den europäischen Bondmärkten. Nach den dovishen Äußerungen des New Yorker Fed-Präsidenten John Williams sackte die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober am Terminmarkt stark auf 47% (zuvor: rund 70%) ab. Dies sorgte für etwas Entspannung bei den US-Bondrenditen, die jedoch am langen Ende von überwiegend robusten Konjunkturdaten angetrieben wurden. 10-jährige US-Treasuries notierten im 7T-Vergleich um 4 Bp höher bei 5,24%, 2-jährige Papiere aber um 13 Bp leichter bei 4,79%. Die Rendite 2-jähriger Bundesanleihen fiel im 7T-Vergleich sogar um 26 Bp auf 3,07%, 10-jährige Papiere rentierten um 9 Bp tiefer bei 3,51%.
Konjunktur- und Inflationssorgen haben den Euro zum ersten Mal seit Mai 2025 unter die Marke von 1,13 USD gedrückt. Der zuletzt starke Anstieg der Teuerung in der Eurozone unterstreiche laut Börsianern die anhaltende Bedrohung der Weltwirtschaft durch die hohen Energiepreise. Im 7T-Vergleich ermäßigte sich das Währungspaar EUR/USD um 1,2% auf 1,1244. Kryptowährungen wurden zuletzt durch eine Kombination aus hohen Renditen, geopolitischer Unsicherheit und Zinserhöhungserwartungen gebremst. So pendelte die ältere Cyberdevise Bitcoin zuletzt bei Kursen um 84.500 USD.
Berichten zufolge hat Saudi-Arabien die Ölverladungen von seinem Hafen Janbu am Roten Meer nach der Inbetriebnahme der Ost-West-Pipeline wieder aufgenommen. Zudem stiegen laut Agenturmeldungen die Rohölexporte der großen Nahost-Produzenten im September auf 12,8 Mio. Barrel am Tag und damit auf den höchsten Stand seit Februar. Im 7T-Vergleich stieg der Preis der Nordsee-Ölsorte Brent jedoch angesichts der unverminderten Drohkulisse in Nahost um 2,1% auf 102,31 USD je Barrel. Geringere norwegische Pipeline-Lieferungen aufgrund von Wartungsarbeiten und ein gedämpfter LNG-Verkehr durch Hormus verknappen laut Marktberichten den Gasmarkt weiterhin. Der europäische TTF-Gas-Future stieg zuletzt auf knapp 74,00 (Jahreshöchstkurs am 14.09. bei rund 82,00) Euro je Megawattstunde (MWh).
Hohe Energiepreise und starke Daten zur Industrieproduktion in den USA haben die Erwartung verstärkt, dass die Leitzinsen der Zentralbanken länger hoch bleiben werden, was wiederum die zinslosen Metalle belastete. Gold- und Silberkontrakte gaben an der New Yorker Rohstoffbörse Comex zu Wochenbeginn deutlich nach, gleiches galt für die Kupfer-Futures in London. Im 7T-Vergleich fiel die Feinunze Gold um 2,3% auf 4.178 USD.
Konjunkturzahl der Woche
Deutsche Teuerung im September auf höchstem Niveau seit 2023 – PCE-Daten im August dank Benzinpreisdelle moderater als erwartet
Der von US-Präsident Trump gestartete Krieg gegen den Iran und die nachfolgende-Energiepreisexplosion (yoy +14,9%) fressen sich immer stärker in die Kostenstrukturen der europäischen Volkswirtschaften. Die deutschen Verbraucherpreise stiegen im September deutlicher als erwartet um yoy 3,3% (Vm. +2,9% / Kons. +3,1%) – das höchste Niveau seit Ende 2023. In der Kernrate lagen sie um yoy 2,4% (Vm. +2,4%) höher. Dagegen stieg das für die US-Notenbank bevorzugte Inflationsmaß, der PCE-Preisindex, im August nur um yoy 3,4% (Vm. rev. +3,4% von +3,7% / Kons. +3,7%), die Kernrate legte um 3,0% (Vm. rev. +3,0% von +3,3% / Kons. +3,3%) zu. Der Erhebungszeitraum profitierte vor allem von einer temporären Delle im US-Benzinpreis auf bis zu 3,00 USD / Gallone. Kurz danach stieg der Preis jedoch steil auf 3,60 USD an.
Weitere Marktthemen im Fokus
Deutsche Banken im Stresstest stabil – mit ein paar Ausnahmen
Die deutschen Banken und Sparkassen bleiben nach Einschätzung der Finanzaufsicht BaFin insgesamt widerstandsfähig. Dennoch gerieten in einem gemeinsamen Stresstest von BaFin und Bundesbank mehrere Dutzend Institute unter die vorgeschriebenen Kapitalanforderungen. Diese Häuser stünden besonders im Fokus der Aufsicht, erklärte BaFin-Bankenaufseher Nikolaus Speer. Bei Bedarf werde frühzeitig eingegriffen. Gegenüber dem letzten Stresstest vor zwei Jahren hat sich die Lage verbessert. Damals unterschritten noch mehr als 50 Institute die geforderten Kapitalquoten, inzwischen habe sich ihre Zahl etwa halbiert. Für die Untersuchung nahmen BaFin und Bundesbank seit April rund 90 Prozent der deutschen Kreditinstitute unter die Lupe. Ergänzend wurden die Banken zu ihrer Ertragslage, Risikosituation und ihren Erwartungen befragt.
Das über drei Jahre angelegte Krisenszenario unterstellte eine Verschärfung geopolitischer Spannungen mit zusätzlichen Handelshemmnissen, Lieferkettenproblemen und steigenden Rohstoffpreisen. Zudem wurde ein Rückgang des Welthandels, höhere Zinsen sowie deutliche Kursverluste an den Aktien- und Anleihemärkten angenommen. Unter diesen Bedingungen würde die harte Kernkapitalquote der Banken und Sparkassen insgesamt um 3,8 Pp auf 14,6% sinken. Die Institute verfügten damit über geringere Puffer, um weitere Belastungen aufzufangen.
Bundesbank-Vorstand Michael Theurer mahnte daher zu einer vorsichtigen Geschäfts- und Kapitalplanung. Angesichts der anhaltenden geopolitischen und konjunkturellen Unsicherheiten müssten die Institute ihre Kapitalbasis sichern, um auch in Krisenzeiten die Finanzierung der Realwirtschaft gewährleisten zu können.
Wochenausblick
Auf der Datenseite stehen bereits am heutigen Vormittag EWU‑Inflationszahlen und am Nachmittag US-Arbeitsmarktzahlen im Mittelpunkt. Unerwartet hohe oder niedrige Werte bei Löhnen und Beschäftigung könnten die Erwartungen an den weiteren Kurs der Federal Reserve deutlich verändern und damit Renditen, Aktienmärkte sowie den US‑Dollar bewegen. Ergänzend dazu gibt es in der kommenden Woche u.a. frische Daten zu Einkaufsmanagerindizes aus den USA, Erzeugerpreisen und Einzelhandelsumsätzen aus der Eurozone sowie zum japanischen Verbrauchervertrauen.
Notenbankseitig richten sich die Blicke auf öffentliche Auftritte von Fed- und EZB-Vertretern sowie auf Protokolle (FOMC, Mittwoch) zurückliegender Sitzungen. Schon Nuancen im Wording zu Inflation, Lohnentwicklung oder Finanzierungsbedingungen können die Einschätzung der Marktteilnehmer zu Umfang und Timing weiterer Zinsanpassungen verschieben.
Geopolitische Faktoren bleiben zugleich ein entscheidender Hintergrund für Risikoaversion und Bewertungsniveaus. Anhaltende Konflikte in Osteuropa, Spannungen im Nahen Osten sowie Rivalitäten im Indopazifik beeinflussen Energiepreise, Frachtraten und die Stabilität globaler Lieferketten. Im politischen Kontext gewinnen die Ergebnisse des jüngsten UN‑Gipfels an Bedeutung: etwaige Beschlüsse zu Klima- und Energiepolitik, globaler Sicherheit und zur Finanzierung nachhaltiger Entwicklung können mittel- bis langfristig Investitionsentscheidungen und regulatorische Rahmenbedingungen prägen. Daneben dürfte die kommende Woche auch erste Hinweise auf die politischen Prioritäten Europas für den Herbst liefern: EU-Erweiterung, Verteidigung, Ukraine-Unterstützung und China-Politik stehen im Mittelpunkt. Gleichzeitig könnten die Wahlen in Brasilien und auf dem Balkan wichtige Signale für die regionale und internationale Politik senden.
Es handelt sich um einen Auszug des Wochenkommentars. Der vollständige Marktupdate, mit weiteren Grafiken und Tabellen, steht den Kunden der Bethmann HAL wöchentlich zur Verfügung.