Javascript is requiredWochenkommentar: Solide Gewinne trotz geopolitischer Spannungen

Wochenkommentar: Solide Gewinne trotz geopolitischer Spannungen

Die Herausforderungen für die Aktienmärkte nahmen in dieser Woche zu, da sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran weiter zuspitzte. Dies trieb den Preis für Rohöl nach oben und schürte erneut Inflationssorgen. Die Anleihemärkte reagierten darauf, indem sie eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank mit einer höheren Wahrscheinlichkeit berücksichtigten.

Parallel zum Ölpreis stiegen somit auch die Renditen von US-Staatsanleihen. Die Europäische Zentralbank beließ die Leitzinsen am Donnerstag unverändert und verschaffte sich damit Zeit, die geopolitischen Auswirkungen genauer zu bewerten. Die Stimmung unter den Anlegern trübte sich weiter ein: Das Interesse an Leerverkäufen auf den S&P-500-Index erreichte ein Rekordhoch.

Die europäische Berichtssaison gewann an Dynamik und verlief insbesondere im Finanz- und Energiesektor erfreulich, während die Ergebnisse in anderen Branchen ein gemischtes Bild zeigten. Europäische Banken legten besonders positive Geschäftszahlen vor: Große Kreditinstitute in Spanien, Frankreich und Italien übertrafen sowohl die Gewinn- als auch die Umsatzerwartungen. Getrieben von hohen Erlösen im Aktienhandel meldete BNP Paribas einen Anstieg der Erträge im globalen Handelsgeschäft um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies zeigt, dass sich das erhöhte Handelsvolumen an der Wall Street inzwischen auch auf Europa ausgeweitet hat. Dennoch fielen die Kursreaktionen verhalten oder sogar negativ aus – ein Hinweis darauf, dass die positiven Nachrichten nach der starken Kursentwicklung des Finanzsektors seit Jahresbeginn bereits weitgehend eingepreist waren.

Auch die großen europäischen Energiekonzerne veröffentlichten bessere Zahlen als erwartet. Unterstützt wurden die Ergebnisse durch höhere Ölpreise und robuste Margen. Mehrere Unternehmen erhöhten zudem ihre Programme für Aktienrückkäufe. In Asien war die Woche von ausgeprägten Rotationsbewegungen geprägt: Südkoreanische Aktien verzeichneten innerhalb von nur zwei Handelstagen eine kräftige Erholung von nahezu 10 Prozent, da die Auflösung gehebelter Positionen offenbar kurz vor dem Abschluss stand. Der Markt in Hongkong entwickelte sich ebenfalls überdurchschnittlich und profitierte von Aufholbewegungen bei chinesischen Internet- und Finanzwerten.

Ausgaben für Technologie und künstliche Intelligenz (KI) standen in dieser Woche erneut im Mittelpunkt der Aktienmärkte. Die Impulse fielen jedoch gemischt aus. Die Cloud-Umsätze von Alphabet stiegen im Jahresvergleich um 82 Prozent, während gleichzeitig die Nutzung des KI-Tools „Gemini“ deutlich zunahm. Dennoch verlor die Aktie im nachbörslichen Handel mehr als 3 Prozent, nachdem das Unternehmen seine Prognose für die Investitionsausgaben bis 2026 auf bis zu 205 Mrd. USD angehoben hatte. Dieser Anstieg schürte Bedenken, dass die Ausgaben für KI sich kurzfristig nicht bezahlt machen könnten.

Die Reaktion auf die Alphabet-Zahlen verdeutlicht die Sorge der Anleger, dass steigende Investitionen in KI-Infrastruktur nicht rentabel sein könnten. Der Markt scheint zunehmend weniger bereit zu sein, derartige Ausgaben pauschal zu honorieren. Zwar legten asiatische Chip-Aktien aufgrund der von Alphabet angekündigten Investitionen zu, doch der breitere Halbleitersektor blieb hinter den Erwartungen zurück. Anleger stellen sich nun verstärkt die Frage, in welchem Verhältnis die hohen Investitionen zu den künftig erzielbaren Erträgen stehen. Ein klareres Bild dürfte sich ergeben, wenn die übrigen großen Cloud- und Rechenzentrumsanbieter in den kommenden Wochen ihre Geschäftszahlen vorlegen.

 
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr


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