Javascript is requiredWochenkommentar: Robuste Märkte trotz anhaltender Unsicherheit
Künstlerische Collage mit einer antiken Statue, geometrischen Formen, Pflanzenmotiven und abstrakten grafischen Elementen in hellen Grau-, Beige- und Grüntönen.

Wochenkommentar: Robuste Märkte trotz anhaltender Unsicherheit

Die internationalen Aktienmärkte zeigten sich in der laufenden Woche überwiegend freundlich. Dennoch gab es nur wenige starke neue Impulse aus der fortgeschrittenen Berichtssaison. Der marktbreite S&P 500 und der technologielastige NASDAQ Composite legten +1,2% und 1,7% zu. Der deutsche Leitindex DAX konnte sich über der 26.000-Marke behaupten und legte um 0,6% zu. In Asien fiel das Bild differenzierter aus, wobei insbesondere der südkoreanische KOSPI mit deutlichen Kursgewinnen von über 10% hervorstach. Im Technologiesektor verschiebt sich das KI-Narrativ zunehmend von hohen Infrastrukturinvestitionen hin zur Frage, welche Unternehmen den Einsatz künstlicher Intelligenz tatsächlich in höhere Produktivität und zusätzliche Erträge übersetzen können. Damit bleibt die Entwicklung innerhalb des Sektors selektiv, während die großen Indizes weiterhin von langfristigen Produktivitätserwartungen unterstützt werden. Neue US-Konjunkturdaten zeichneten ein gemischtes, für die Kapitalmärkte jedoch zunächst konstruktives Bild. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli lediglich um 0,1% gegenüber dem Vormonat und lagen 3,4% über dem Niveau des Vorjahresmonat. Gleichzeitig deuteten schwächere Arbeitsmarktdaten auf eine nachlassende Dynamik der US-Wirtschaft hin. Auch die am Donnerstag veröffentlichten Erzeugerpreise blieben unter den Erwartungen und stützten damit die Hoffnung auf einen weiterhin vorsichtigen Kurs der US-Notenbank FED. Für zusätzliche Bewegung sorgte der Ölmarkt. Zu Wochenbeginn legte Brent aufgrund der anhaltenden Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts mit Iran deutlich zu und testete die 90 US-Dollar je Barrel Marke. Die geopolitische Risikoprämie bleibt erhöht, da aus Washington und Teheran weiterhin unterschiedliche Signale hinsichtlich einer möglichen Einigung und der Situation rund um die Straße von Hormus kommen.

Renten-, Devisen- und Rohstoffmärkte

 

Die Renditen an den Staatsanleihemärkten bewegten sich im Wochenverlauf zunächst auf erhöhtem Niveau, gaben nach den jüngsten US-Inflationsdaten jedoch wieder nach. Die Verbraucherpreise legten im Juli lediglich um 0,1% gegenüber dem Vormonat zu und lagen mit 3,4% leicht unter dem Niveau des Vormonats. Auch die am Donnerstag veröffentlichten Erzeugerpreise fielen moderater als erwartet aus und stagnierten gegenüber Juni. Gemeinsam mit den zuletzt schwächeren Arbeitsmarktdaten reduzierten die Zahlen die Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank im September deutlich. Im Sieben-Tage-Vergleich sank die Rendite 10-jähriger US-Treasuries leicht auf 4,644%, während 10-jährige Bundesanleihen zuletzt bei rund 3,131% rentierten.

Das Währungspaar EUR/USD zeigte sich gegenüber der Vorwoche nahezu unverändert und notierte zuletzt bei 1,1528 USD je Euro. Der US-Dollar geriet nach den moderaten Inflationsdaten etwas unter Druck, da die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Fed im September am Donnerstag auf nur noch rund 31% sank. Die Kryptowährung Bitcoin geriet allerdings unter Druck und notierte unter 64.000 USD.

Deutlich mehr Bewegung zeigte sich an den Rohstoffmärkten. Der Ölpreis stieg zu Wochenbeginn kräftig an, nachdem Zweifel an einer baldigen Einigung zwischen den USA und Iran über die Straße von Hormus erneut zunahmen. Die Nordsee-Ölsorte Brent überschritt zwischenzeitlich die Marke von 90 US-Dollar je Barrel, gab anschließend jedoch einen Teil der Gewinne wieder ab. Schwächere globale Nachfrageprognosen sowie überraschend gestiegene US-Rohöllagerbestände belasteten den Preis; zuletzt notierte Brent bei rund 88 US-Dollar je Barrel. Gleichzeitig bleibt die geopolitische Risikoprämie hoch, da Washington und Teheran weiterhin gegensätzliche Aussagen über die Kontrolle und eine mögliche Wiederöffnung der wichtigen Schifffahrtsroute machen.

Die Feinunze Gold setzte seinen jüngsten Aufwärtstrend fort und erreichte zwischenzeitlich den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten. Neben der geopolitischen Unsicherheit stützten vor allem die gesunkenen Zinserhöhungserwartungen und der zeitweise schwächere US-Dollar. Zuletzt notierte das Edelmetall bei rund 4.351 US-Dollar je Feinunze und damit deutlich oberhalb des Niveaus der Vorwoche.

Konjunkturzahl der Woche

 

Die US-Inflationsdynamik lässt leicht nach

 

Die US-Verbraucherpreise erhöhten sich im Juli gegenüber dem Vormonat um lediglich 0,1% und lagen 3,4% über dem Vorjahresniveau, nach 3,5% im Juni. Damit blieb die Inflation zwar weiterhin deutlich oberhalb des 2%-Ziels der Federal Reserve, der zuletzt befürchtete erneute kräftige Preisschub blieb jedoch aus. Zusätzliche Entlastung lieferten die am Donnerstag veröffentlichten Erzeugerpreise: Diese stagnierten im Juli gegenüber dem Vormonat, während Ökonomen einen Anstieg um 0,2% erwartet hatten. Auf Jahressicht verlangsamte sich die Produzentenpreisinflation von 5,5% auf 4,7%. Gemeinsam mit dem überraschenden Beschäftigungsrückgang im Juli sprechen die Daten derzeit eher für eine abwartende Haltung der US-Notenbank bei ihrer Sitzung im September.

Weitere Marktthemen im Fokus

 

Space zwischen Ernüchterung und neuen Wachstumsimpulsen

 

Nach einem schwachen Sommer hat sich der kommerzielle Raumfahrtsektor in dieser Woche wieder deutlich erholt. Repräsentativ legte der VanEck Space Innovators ETF im Wochenverlauf rund 5,1% zu, während auf Sicht von drei Monaten weiterhin ein Minus von rund 17% zu Buche steht. Zuvor hatten insbesondere die hohen Erwartungen rund um den SpaceX-Börsengang für erhebliche Volatilität gesorgt. Nach dem anfänglichen Kurssprung von einem IPO-Preis von 135 US-Dollar auf zeitweise mehr als 225 US-Dollar fiel die Aktie deutlich zurück und bewegte sich zuletzt wieder in der Nähe ihres ursprünglichen Ausgabeniveaus. Neue Unternehmenszahlen lieferten nun wieder fundamentalere Impulse für den Sektor. Rocket Lab steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 62% gegenüber dem Vorjahr auf einen Rekordwert von 234 Mio. US-Dollar. Gleichzeitig erhöhte sich der Auftragsbestand auf 2,36 Mrd. US-Dollar und unterstreicht damit die anhaltend hohe Nachfrage nach Launch- und Satellitensystemen. Auch AST SpaceMobile setzte seine Kommerzialisierung fort. Der Umsatz verdoppelte sich gegenüber dem Vorquartal nahezu auf 31,5 Mio. US-Dollar, während der vertraglich gesicherte Umsatzbestand auf rund 1,3 Mrd. US-Dollar anwuchs. Das Unternehmen bestätigte zudem seine Umsatzprognose von 150 bis 200 Mio. US-Dollar für das Gesamtjahr. Nach der vorausgegangenen Euphorie scheinen sich die Erwartungen im Sektor damit wieder auf ein realistischeres Niveau einzupendeln. Entscheidend dürfte zunehmend weniger die langfristige Vision der Raumfahrtunternehmen als vielmehr deren Fähigkeit sein, hohe Investitionen in skalierbare Umsätze und belastbare Auftragsbestände zu übersetzen.

Wochenausblick

 

In der kommenden Woche dürfte sich der Blick der Anleger stärker auf die konjunkturelle Entwicklung und die daraus abgeleiteten Erwartungen an die Geldpolitik richten. In den USA stehen unter anderem Daten zur Industrieproduktion, zum Immobilienmarkt sowie am Mittwoch das Protokoll der jüngsten Sitzung der US-Notenbank auf der Agenda. Gerade vor dem Hintergrund der zuletzt moderaten Inflationsdaten und gleichzeitig nachlassender Dynamik am Arbeitsmarkt dürften neue Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Federal Reserve besonders aufmerksam verfolgt werden. Auch in Europa bleiben Inflationsdaten relevant. Am Mittwoch werden die finalen Verbraucherpreisdaten für den Euroraum veröffentlicht. Damit dürfte sich weiter konkretisieren, wie nachhaltig der zuletzt beobachtete disinflationäre Trend ist und welchen Spielraum die Europäische Zentralbank für die kommenden Monate besitzt. Parallel bleibt die geopolitische Entwicklung im Nahen Osten ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor. Die USA und Iran senden weiterhin unterschiedliche Signale hinsichtlich der Kontrolle und einer möglichen Wiederöffnung der Straße von Hormus. Entsprechend dürfte der Ölpreis sensibel auf neue Aussagen oder Fortschritte bei den Verhandlungen reagieren. Brent notierte zuletzt trotz eines Rückgangs wieder bei knapp 87 US-Dollar je Barrel, während schwächere Nachfrageprognosen und deutlich gestiegene US-Lagerbestände den Preis begrenzen. Unternehmensseitig läuft die Berichtssaison zwar weiter, der Großteil der großen US-Unternehmen hat seine Zahlen jedoch bereits vorgelegt. Entsprechend dürften in der kommenden Woche vor allem Makrodaten, Notenbankkommunikation und geopolitische Nachrichten die Richtung an den Kapitalmärkten bestimmen.

 

Es handelt sich um einen Auszug des Wochenkommentars. Der vollständige Marktupdate, mit weiteren Grafiken und Tabellen, steht den Kunden der Bethmann HAL wöchentlich zur Verfügung.