
Mit einem Plus von rund 2,6 % machte der DAX seine Verluste aus der Vorwoche wieder wett. An der Wall Street erhielt die vor einer Woche begonnene Erholungsrally jedoch durch die Tech-Branche einen Dämpfer, so dass der S&P 500 nur um etwa 0,7 % zulegte. Im Fokus standen die Berichts-saison und die Geldpolitik. Die US-Notenbank ließ den Leitzins erwartungs-gemäß bei 3,75 bis 4,00 %. Zugleich bewertete sie die Konjunktur stärker, während die Inflation erhöht bleibt. Zwei Fed-Mitglieder votierten für eine Zinserhöhung, sodass eine Straffung im Dezember im Blick bleibt. Bei den Unternehmen rückten erneut die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz in den Vordergrund. Microsoft überzeugte mit einem starken Cloud-Geschäft und verbesserten Mittelzuflüssen. Alphabet geriet dagegen nach enttäuschenden Erlösen und hohen KI-Ausgaben deutlich unter Druck.
Gestützt von guten Geschäftszahlen stieg der DAX über die Marke von 26.000 Punkten auf den höchsten Stand seit mehr als sieben Wochen. Positiv fiel auch der ifo-Geschäftsklimaindex auf, der sich im Oktober stärker als erwartet verbesserte. Höhere Ölpreise, politische Unsicherheit in Frankreich und gemischte Bankbilanzen begrenzten jedoch die Risikobereitschaft. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Leitzinsen im Euroraum trotz erhöhter Inflation unverändert zu belassen, hatte keine Auswirkungen auf die Märkte. In Ostasien war das Bild gemischt. Japans Nikkei setzte seine Erholung fort, wobei insbesondere Halbleiterwerte von der KI-Euphorie profitierten. In Südkorea sorgten Rekordzahlen und hohe Ausschüttungspläne von SK Hynix zunächst für Rückenwind. Enttäuschende Zahlen von Samsung Electronics dämpften anschließend die Stimmung. Chinesische Standardwerte tendierten schwächer, Hongkong blieb vergleichsweise stabil. Für die weitere Marktrichtung bleiben Inflationsdaten, Zentralbanksignale und die Ertragskraft der hohen KI-Investitionen entscheidend.
Renten-, Devisen- und Rohstoffmärkte
Die Woche stand im Zeichen der Frage, wie lange die Geldpolitik restriktiv bleiben muss. Die Fed beließ den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 % und bewertete die US-Konjunktur als stark. Das BIP wuchs im dritten Quartal annualisiert um 3,4 % statt erwarteter 3,1 %. Zugleich lag die Kern-PCE-Inflation mit 3,1 % über dem 2-Prozent-Ziel. Eine weitere Straffung bleibt damit möglich; das Zinsänderungsrisiko langer Laufzeiten bleibt hoch. Zehnjährige US-Treasuries rentierten zuletzt nahezu unverändert bei 4,94 % (Vorwoche: 4,96 %).
Im Euroraum hielt die EZB den Einlagensatz bei 2,50 %. Höhere Energiepreise verstärken die Inflationsrisiken, während verschärfte Finanzierungsbedingungen Wachstum und Preisdruck dämpfen. Diese Gegenkräfte stützten Bundesanleihen: Zehnjährige Bunds rentierten zuletzt bei rund 3,36 % (Vw. 3,33 %) und damit leicht über dem Niveau der Vorwoche. Die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen profitierte dabei auch von ihrer Rolle als sicherer Hafen angesichts der erhöhten fiskalischen Unsicherheit in Frankreich. Der weiterhin hohe französische Risikoaufschlag zeigt, dass neben Geldpolitik und Inflation zunehmend auch die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen die Bewertung europäischer Anleihen bestimmt.
EUR/USD notierte zuletzt bei rund 1,118 Dollar. Der Euro fiel auf den tiefsten Stand seit Mai. Nach der EZB-Sitzung überwog zeitweise die Einschätzung, dass straffere Finanzierungsbedingungen weitere Zinsschritte weniger notwendig machen könnten. Robuste US-Daten begrenzen eine nachhaltige Dollar-Schwäche. Gold fiel auf rund 4.021 Dollar je Feinunze. Länger hohe US-Zinsen belasten das Edelmetall, weil sie die Opportunitätskosten einer unverzinsten Anlage erhöhen. Brent blieb mit rund 115 Dollar je Barrel teuer. Die Risikoprämie für Lieferausfälle im Nahen Osten stützt Öl, während diplomatische Signale zwischen den USA und Iran etwas Entspannung brachten. Bitcoin bewegte sich um 80.000 Dollar; restriktive Fed-Signale, schwächere Technologiewerte und die Liquidation gehebelter Long-Positionen belasteten.
Drei Faktoren bestimmten das Marktgeschehen: die robuste US-Konjunktur und hartnäckige Inflation mit Aussicht auf länger hohe Zinsen, der energiebedingte Inflationsdruck samt Nahost-Risikoprämie sowie Europas Fiskalspannungen. Für Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Sichere Anleihen bieten attraktive laufende Erträge, lange Laufzeiten bleiben jedoch zinssensitiv. Gleichzeitig erschwert teures Öl eine baldige Lockerung der Geldpolitik und erhöht das Risiko eines länger anhaltenden Inflationsdrucks.
Konjunkturzahlen der Woche
Deutsche Konjunktur sendet gemischte Signale
Die deutsche Wirtschaft ist mit weniger Schwung ins vierte Quartal gestartet. Der veröffentlichte Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft sank im Oktober von 53,8 auf 52,8 Punkte und verfehlte die Erwartungen von 53,3. Während die Industrie mit 54,2 Punkten positiv überraschte, kühlte sich der Dienstleistungssektor auf 51,7 Punkte ab. Werte über 50 signalisieren weiterhin Wachstum. Die Erholung setzt sich damit fort, bleibt aber fragil.
Etwas mehr Zuversicht vermittelt das ifo-Geschäftsklima. Der Index stieg im Oktober überraschend von 89,9 auf 90,2 (Prognose: 90,0) Punkte und damit zum sechsten Mal in Folge. Getragen wurde die Verbesserung von optimistischeren Erwartungen, während die aktuelle Lage schwächer beurteilt wurde. Besonders in der Industrie hellte sich die Stimmung auf: Steigende Neuaufträge stärken die Hoffnung auf eine höhere Produktion. Bei den Dienstleistern trübte sich das Geschäftsklima dagegen ein. Insgesamt verdichten sich damit die Anzeichen einer konjunkturellen Belebung, ein kräftiger Aufschwung zeichnet sich jedoch noch nicht ab.
Weitere Marktthemen im Fokus
US-Zwischenwahlen mit begrenzter Marktwirkung
Am 3. November richten sich die Blicke auf die US-Midterms: Alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 Senatssitze stehen zur Wahl. Bei den derzeit noch knappen republikanischen Mehrheiten genügt bereits eine moderate Verschiebung, um die Machtbalance in Washington zu verändern.
Für die Finanzmärkte dürfte der Urnengang dennoch kaum zum dominierenden Faktor werden. Unternehmensgewinne, Konjunktur und Fed-Politik bleiben wichtiger. Kurzfristige Marktreaktionen rund um den Wahlausgang sind dennoch nicht auszuschließen. Das wahrscheinlichste Ergebnis ist ein geteilter Kongress. Politischer Stillstand würde größere Reformen erschweren, zugleich aber die Berechenbarkeit erhöhen. Investoren haben solche Konstellationen historisch häufig honoriert, weil fundamentale Faktoren stärker zählen. Für Aktien wäre das neutral bis leicht positiv, für Anleiherenditen weitgehend neutral. Erobern die Demokraten beide Kammern, könnten sie die Trump-Regierung stärker kontrollieren und weitere Deregulierungen bremsen. Erneuerbare Energien, Infrastruktur und Teile des Gesundheitssektors könnten profitieren, Finanzwerte und fossile Energien Gegenwind spüren. Anleihen käme dieses Szenario tendenziell am stärksten entgegen, da zusätzliche Fiskalimpulse unwahrscheinlicher würden. Ein weniger wahrscheinlicher republikanischer Durchmarsch würde dagegen den Status quo festigen. Finanz-, Energie- und Verteidigungswerte könnten profitieren, während höhere Defizite und steigende Anleiherenditen zu den Risiken zählen.
Wochenausblick
Die kommenden Handelstage versprechen wieder eine hohe Ereignisdichte. Konjunkturseitig werden heute Nachmittag die deutschen Verbraucherpreise für Oktober publiziert und vermitteln einen Eindruck vom Einfluss der Energiepreisanstiege auf die Teuerungsraten. Am Montag folgt der US-ISM für das verarbeitende Gewerbe. ADP-Beschäftigung und ISM-Dienstleistungen am Mittwoch liefern anschließend weitere Hinweise auf die Verfassung der US-Wirtschaft. Für Europa steht zudem die erste Schätzung der Oktober-Inflation im Euroraum im Fokus.
Geldpolitisch bleibt es ebenfalls spannend: Nach der Bank of Japan am 30. Oktober folgt am 3. November die australische Notenbank. Am 5. November entscheidet die Bank of England über die derzeit bei 3,75% liegende Bank Rate und legt zugleich neue Projektionen vor.
Die Berichtssaison erreicht eine weitere intensive Phase. Apple und Palantir eröffnen am Montag den Zahlenreigen, gefolgt von AMD und Bayer am Dienstag. Am Mittwoch stehen u.a. die Quartalberichte von Qualcomm, McDonald’s, Fresenius, Heidelberg Materials und BMW im Rampenlicht. Am Donnerstag folgt der Schwerpunkt der Berichtswoche mit Zahlenwerken von u.a. Siemens, Dt. Telekom, Rheinmetall, Commerzbank und Conoco Phillips. Besonders im Fokus stehen die Ausblicke auf Nachfrage, Margen und KI-Investitionen.
Für Anleger ergeben sich aus dieser Gemengelage ungewöhnlich viele mögliche Richtungsimpulse. Inflations-, Lohn- und Aktivitätsdaten darüber, wie die jüngsten Notenbanksignale einzuordnen sind. Die Berichtssaison muss zeigen, ob die hohen Bewertungen insbesondere im Technologiesektor durch Gewinnwachstum und belastbare Ausblicke gedeckt werden. Und schließlich können die US-Zwischenwahlen die Erwartungen an Fiskalpolitik, Regulierung und Handel abrupt verändern. Zudem bleibt der Ölpreis ein bedeutender Unsicherheitsfaktor für Inflation und Konsum.
Es handelt sich um einen Auszug des Wochenkommentars. Der vollständige Marktupdate, mit weiteren Grafiken und Tabellen, steht den Kunden der Bethmann HAL wöchentlich zur Verfügung.