Javascript is requiredWochenkommentar: KI-Hype mit Zwischenstopp

Wochenkommentar: KI-Hype mit Zwischenstopp

Wochenkommentar

Die globalen Aktienmärkte gaben zu Beginn der Woche nach, wobei sich die Wertentwicklung je nach Region deutlich unterschied. 

Das beherrschende Thema war eine drastische Neubewertung von Unternehmen aus den Bereichen künstliche Intelligenz (KI) und Halbleiter. Dies belastete vor allem die Märkte in den USA und Asien. Gleichzeitig trugen sinkende Ölpreise, Fortschritte bei den Friedensgesprächen zwischen den USA und dem Iran sowie niedrigere Renditen auf Anleihen dazu bei, einen breiteren Marktrückgang abzufedern.

In den USA gerieten KI-Infrastrukturaktien unter Druck. Der Abverkauf wurde durch die Schwäche im Halbleitersektor und durch die Sorge verstärkt, dass hohe Investitionsausgaben die Renditen für Aktionäre schmälern könnten, insbesondere bei Large-Cap-Technologieaktien. Der Markt verarbeitete auch die erste Sitzung der Federal Reserve unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Die Zinsen blieben unverändert, doch es wurde ein eher restriktiver und weniger vorhersehbarer Kommunikationsrahmen eingeführt. 

Europäische Aktien zeigten sich am widerstandsfähigsten, gestützt durch ein geringeres direktes Engagement in globalen KI-Marktführern und eine starke Rallye im Gesundheitssektor. Schwellenmärkte blieben hinter der Entwicklung zurück, was vor allem auf ein stärkeres Engagement in der Halbleiter-Lieferkette zurückzuführen war. In den Schwellenmärkten wirkte sich Südkorea besonders belastend aus, nachdem massive Verkäufe bei Titeln aus dem Bereich Speicherchips einen starken Marktrückgang ausgelöst hatten. 

Anleihen: Seitwärtsbewegung erwartet

Die Renditen zehnjähriger deutscher Bundesanleihen liegen aktuell bei rund 2,85 %. Seit Mitte Mai 2026, als ein Höchststand von 3,20 % erreicht wurde, ist ein deutlicher Rückgang auf das aktuelle Niveau zu beobachten.

Ist mit weiter sinkenden Renditen zu rechnen? Eher nicht. Die Märkte richten ihren Fokus zunehmend auf die konjunkturstimulierende Wirkung fallender Ölpreise. Vor allem die US-Wirtschaft könnte erneut in Richtung Überhitzung tendieren, was ein höheres beziehungsweise hartnäckigeres Inflationsniveau zur Folge haben könnte.

Dementsprechend setzt sich am Markt zunehmend die Erwartung steigender Leitzinsen in den USA durch. Diese Einschätzung wird unter anderem gestützt durch die Wiederöffnung der Straße von Hormus, die hohen US-Inflationsdaten im April, die robusten Arbeitsmarktdaten im Mai sowie eine restriktivere Haltung der Federal Reserve nach der ersten Sitzung unter dem neuen Fed-Chair Kevin Warsh.

Wir teilen diese Erwartung jedoch nicht und gehen stattdessen von einem seitwärts tendierenden Zinsniveau in den USA in den kommenden Monaten aus. Unsere Modelle deuten darauf hin, dass die Gesamtinflation im Mai ihren Höhepunkt erreicht hat und die Kerninflation im Juni folgen dürfte.

Da die Zinsmärkte besonders stark auf Entwicklungen in den USA reagieren, liegt der Fokus unserer Analyse auf dieser Region. Europäische Zinsen folgen in der Regel dem übergeordneten Trend in den USA. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Zinserhöhungszyklus bereits eingeleitet. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte zudem, dass derzeit keine stärkere geldpolitische Reaktion auf die Auswirkungen des Nahostkonflikts erforderlich sei, da die Inflation mittelfristig wieder auf das Zielniveau zurückkehren dürfte.

Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass die Federal Reserve und die EZB ihre Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung zunehmend synchronisieren. Entsprechend dürften sich die Renditen zehnjähriger Anleihen vorerst am unteren Ende ihrer Handelsspanne stabilisieren.

Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr


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