
Wochenkommentar: KI-Euphorie treibt Märkte auf Rekordkurs
Die globalen Aktienmärkte starteten freundlich in die Woche. Anhaltender Optimismus rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI) trieb die Kurse weiter an und brachte mehrere Aktienindizes in die Nähe neuer Höchststände.
US-Aktien führten die Aufwärtsbewegung an. Insbesondere Technologiewerte profitierten erneut von einer hohen Nachfrage der Investoren. Europäische Aktien entwickelten sich ähnlich: Nach deutlichen Kursgewinnen zu Wochenbeginn gaben sie zwischenzeitlich etwas nach, die Marktstimmung blieb jedoch insgesamt konstruktiv.
Zusätzlichen Rückenwind lieferten Hoffnungen auf Fortschritte in der Straße von Hormus. Aussagen der US-Regierung deuteten auf konstruktive Gespräche mit dem Iran hin. Gleichzeitig berichteten Medien, dass Iran und Oman an einem Rahmenabkommen zur Organisation der Schifffahrtsrouten arbeiten. Eine solche Vereinbarung könnte die Planbarkeit entlang einer der wichtigsten Energietransitrouten der Welt verbessern. Die Aussicht auf geringere Störungen dämpfte Sorgen am Ölmarkt und stärkte die Risikobereitschaft der Anleger.
Besonders gefragt blieben Wachstums- und Innovationsthemen. Der Technologiesektor profitierte weiterhin von der KI-Dynamik, während auch Industrie- und Rohstoffwerte zulegen konnten. Energietitel blieben dagegen zurück, da die Hoffnung auf eine Einigung mit dem Iran auf den Ölpreis und den US-Dollar drückte.
Das Marktumfeld wird weiterhin von geldpolitischen Erwartungen und dem KI-Investitionsboom geprägt. Die US-Notenbank beließ die Zinsen auf ihrer Juli-Sitzung unverändert und betonte erneut ihre Datenabhängigkeit, verwies aber zugleich auf bestehende Inflationsrisiken. Entsprechend richtet sich der Blick der Investoren nun auf die kommenden US-Arbeitsmarktdaten. Positiv bleibt die breite Marktbeteiligung in Europa, die darauf hindeutet, dass sich die Aufwärtsbewegung nicht nur auf wenige Einzeltitel stützt.
Anleihen: Hohe Inflationserwartungen halten Renditen oben
Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt derzeit bei 4,62 %, die entsprechende deutsche Bundesanleihe rentiert bei 3,11 %. Vor den Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran lagen die Renditen noch bei knapp 4,0 % beziehungsweise rund 2,65 %.
Der Renditeanstieg ging zunächst mit höheren Ölpreisen einher. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Staatsanleiherenditen auch während Phasen nachlassender Spannungen und sinkender Ölpreise auf erhöhtem Niveau verharrten. Dies deutet darauf hin, dass Investoren weiterhin eine zusätzliche Risikoprämie für höhere Inflationserwartungen und die Unsicherheit über den künftigen Kurs der Zentralbanken verlangen.
Geopolitik und Künstliche Intelligenz bleiben die dominierenden Themen an den Kapitalmärkten. Die enorme KI-bedingte Investitionstätigkeit, die zunehmend über den Unternehmensanleihemarkt finanziert wird, rückt dabei stärker in den Fokus der Anleger.
In diesem Zusammenhang stellen sich mehrere Fragen: Ist der Technologiesektor inzwischen zu stark in den großen Investment-Grade-Indizes vertreten? Werden Unternehmensanleihen zunehmend von der Entwicklung der US-Aktienmärkte beeinflusst? Und wie viele neue Unternehmensanleihen kann der Markt in der zweiten Jahreshälfte 2026 noch aufnehmen?
Gleichzeitig könnte eine Einigung zwischen Iran und Oman über sichere Schifffahrtsrouten zur Entspannung im Nahen Osten beitragen. Dies würde den Ölpreis stabilisieren und den Fokus der Anleger wieder stärker auf die fundamentalen Marktdaten lenken.
Ein weiterer möglicher Inflationsfaktor sind die weltweit zunehmenden Wetterextreme sowie die Gefahr eines besonders starken El-Niño-Ereignisses. Studien der Europäischen Zentralbank zeigen, dass ein ausgeprägter El Niño die Preise für Nahrungsmittel und andere Rohstoffe um 5 bis 9 % erhöhen kann, wobei die stärksten Effekte typischerweise nach rund 16 Monaten auftreten.
Vor dem Hintergrund bereits erhöhter Energiepreise könnten wetterbedingte Belastungen die Inflationserwartungen länger auf einem hohen Niveau halten. Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen im Jahr 2026 unverändert belassen wird. Für die Europäische Zentralbank erwarten wir hingegen noch einen weiteren Zinsschritt, um die Inflationserwartungen zu verankern. Zusätzliche Hinweise der Notenbanken auf ihren Umgang mit künftigen Inflationsdaten würden den Märkten dabei helfen, mehr Planungssicherheit zu gewinnen.
Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir weiterhin hochwertige Anleihen und sehen Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen im Vorteil. Obwohl sich im längeren Laufzeitenbereich selektiv Chancen ergeben können, meiden wir derzeit weiterhin das lange Ende der Zinskurve.
Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr
Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.