Javascript is requiredWochenkommentar: Alle Aufmerksamkeit auf Technologie

Wochenkommentar: Alle Aufmerksamkeit auf Technologie

Bislang zeichnet die Berichtssaison für das zweite Quartal ein solides, doch regional uneinheitliches Bild. In den USA übertreffen viele Unternehmen die Erwartungen deutlich, gestützt vor allem durch starke Ergebnisse großer Technologieunternehmen sowie des Energiesektors. In Europa fällt das Bild verhaltener aus. Banken und Energieunternehmen sorgen für Unterstützung, während andere Sektoren schwächer abschneiden.

Im Mittelpunkt stand in dieser Woche erneut der Halbleitersektor, der von den Aktienmärkten kritisch neu bewertet wird. Obwohl der Boom im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) weiter anhält, richten Investoren ihr Augenmerk zunehmend darauf, ob die hohen Investitionen in Chips, Speicher und Cloud-Kapazitäten auch langfristig profitable Renditen generieren können. Unternehmen wie SK Hynix und Samsung Electronics profitieren weiterhin von der starken Nachfrage nach Hochleistungsspeichern, werden jedoch auch hinsichtlich ihrer Erwartungen, ihrer Investitionsdisziplin und des Risikos potenzieller Überkapazitäten genauer unter die Lupe genommen.

Zusätzliche Unsicherheit ergibt sich aus dem technologischen Aufholprozess in China. Fortschritte chinesischer Anbieter bei Speicherchips und Lithografie-Anlagen könnten etablierte Marktführer unter Druck setzen. Der Börsengang von CXMT hat auch die Befürchtung geschürt, dass China den globalen Speichermarkt mit kostengünstigeren Produkten einem stärkeren Wettbewerbsdruck aussetzen könnte.

Bei den Einzelaktien zeigt sich das Bild gemischt: Alphabet muss steigende KI-Investitionen rechtfertigen, Nvidia muss hohe Wachstumserwartungen bestätigen, TSMC bleibt von der Fortsetzung des KI-Investitionszyklus abhängig und Broadcom veranschaulicht, wie schnell überzogene KI-Erwartungen zu Enttäuschungen führen können. Die Unsicherheit zeigte sich besonders deutlich am südkoreanischen Kospi-Index, der aufgrund seiner starken Gewichtung in Technologieaktien unter erheblichen Druck geraten ist. Der Software-Sektor erholte sich dank einer Stimmungsaufhellung unter den Investoren

Insgesamt verschiebt sich die Marktstimmung von Euphorie hin zu kritischer Prüfung. Die Frage lautet nicht mehr nur, wer vom KI-Trend profitiert, sondern welche Unternehmen ihn für dauerhafte Gewinne, stabile Margen und nachhaltige Wettbewerbsvorteile nutzen können.

Anleihen: Wachsames Nachdenken 

Die US-Notenbank (Federal Reserve) ließ die Zinsen diese Woche unverändert bei 3,50 %–3,75 %, doch die eigentliche Neuigkeit lag in dem Abstimmungsergebnis von 9 zu 3. Drei Gouverneure drängen auf eine sofortige Anhebung um 25 Basispunkte.

Fed-Vorsitzender Kevin Warsh weigerte sich, die Entscheidung als Pause zu bezeichnen. Stattdessen sagte er: „Dies ist eine Phase des aufmerksamen Nachdenkens, nicht des aufmerksamen Wartens.“ Seine Wortwahl ist bewusst gewählt. Sie signalisiert, dass der geldpolitische Ausschuss aktiv berät und bei jeder Sitzung handeln kann. Da kein aktualisierter „Dot Plot“ mit den Zinserwartungen vorlag, war die Pressekonferenz das einzige verfügbare Signal für die Zukunft. Warsh nutzte sie, um sich alle Optionen offen zu halten, anstatt eine Richtung vorzugeben.

Die Zinsmärkte reagierten heftig. Die Anleger befürchten, dass die Fed die Inflation möglicherweise nicht wieder unter Kontrolle bringen kann, nachdem diese fünf Jahre in Folge über dem Zielwert der Fed lag. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen stiegen auf 4,7 % – eine vollständige Umkehr der zu Beginn der Woche beobachteten Rallye, als eine geopolitische Atempause im Konflikt zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise und Renditen kurzzeitig nach unten drückte. Die Renditen 30-jähriger US-Anleihen erreichten Höchststände.

Die Anleihemärkte befinden sich im Spannungsfeld zwischen Geopolitik und Geldpolitik. Der Iran hat zugestimmt, Angriffe in der Region auszusetzen, sofern die USA sich ebenfalls dazu verpflichten. Die Situation ist noch lange nicht befriedet: Schifffahrtsrisiken in der Straße von Hormus und anhaltende Störungen im Roten Meer machen die Energiemärkte weiterhin anfällig für neue Schlagzeilen.

Die Öl-Futures-Kurve preist weiterhin eine erhebliche Risikoprämie für die zweite Jahreshälfte ein, und diese Prämie wird sich erst dann verringern, wenn es zu einer dauerhaften Einigung kommt – und nicht nur zu einer weiteren Pause. Die praktische Konsequenz für die Anleihemärkte ist, dass das Inflationsbild bis in den September hinein nicht zurückgeht. Ausschlaggebend dürften die US-Inflationsberichte für Juli und August sein, die Mitte August bzw. Mitte September veröffentlicht werden. Letzterer erscheint nur wenige Tage vor der Sitzung der Fed-Entscheidungsträger.

In diesem Umfeld bevorzugen wir eine neutrale Positionierung, einschließlich einer neutralen Durationsposition. Angesichts des Risikos einer weiteren Versteilerung der Zinskurven meiden wir langlaufende Anleihen. Bei Hochzinsanleihen bleiben wir weiterhin vorsichtig, da die Kombination aus engen Kreditrisikoaufschlägen, steigenden Ausfallraten und einer wachsamen und umsichtig agierenden Fed ein asymmetrisches Risikoprofil darstellt, das eine aggressive Positionierung nicht belohnt.

 


Redaktionsschluss: donnerstags, 15:00 Uhr


Der vollständige Marktbericht steht unseren Kunden wöchentlich zur Verfügung.