
Marktkommentar: Die Achterbahnfahrt des Goldpreises
Zwischen dem 19. und 29. Januar 2026 stieg der Goldpreis von 4.600 auf 5.600 USD pro Feinunze. Anschließend fiel er innerhalb von drei Handelstagen auf 4.400 USD, bevor er sich in den darauffolgenden zwei Tagen wieder auf rund 5.000 USD erholte. Diese starken Schwankungen lassen sich vor allem durch drei Faktoren erklären: eine hohe Nachfrage nach sicheren Anlagen und nach Diversifizierung, die Auflösung von gehebelten Positionen sowie eine geringe Marktliquidität. Trotz dieser Turbulenzen bleiben wir für Gold mittelfristig positiv gestimmt.
Warum der Goldpreis so schnell gestiegen ist
Der Preisanstieg im Januar kam nicht überraschend. Zu Jahresbeginn 2026 sahen sich die Anleger mit zahlreichen Unsicherheiten konfrontiert: offene Fragen rund um die Ernennung eines neuen Fed-Vorsitzenden sowie zunehmende geopolitische Spannungen führten zu einem gesteigerten Interesse an sicheren Häfen wie Gold. Zugleich funktionierte die übliche negative Korrelation zwischen Aktien und Anleihen zu diesem Zeitpunkt weniger zuverlässig. Normalerweise federn Anleihen im Portfolio Verluste an den Aktienmärkte ab – und umgekehrt. Da diese Dynamik zuletzt geschwächt war, gewann Gold an Attraktivität zur Risikostreuung in den Portfolios.
Die Nachfrage nach Gold war nicht rein spekulativ, sondern breit gestützt. Die weltweiten ETF-Zuflüsse in Gold blieben stabil, und auch die Preisentwicklung in China signalisierte ein anhaltend hohes Interesse an physischem Gold – sogar nahe Rekordniveaus. Diese breite Nachfrage trug maßgeblich dazu bei, dass der Goldpreis neue Höchststände erreichte.
Warum der Goldpreis plötzlich gefallen ist
Der Rückgang um 1.200 USD lässt sich vor allem durch die Marktpositionierung und geringe Liquidität erklären. Die Meldung über die Ernennung eines potenziell eher straff ausgerichteten Fed-Vorsitzenden traf auf einen Markt, der zu einem Zeitpunkt stark gehebelt war, das heißt Anleger hatten Goldpositionen auf Kredit gekauft. Viele Anleger nutzten die vorherige Rallye, um Gewinne mitzunehmen. In der Folge kam es vielfach zu Zwangsverkäufen. Die geringe Liquidität verstärkte diese Bewegungen zusätzlich und beschleunigte den Preisverfall. Dieser Rückgang war jedoch weniger Ausdruck veränderter Fundamentaldaten, sondern vielmehr eine Korrektur auf Basis der Rückführung kreditfinanzierter Positionen. Bereits während des Abverkaufs zog die Nachfrage nach physischem Gold wieder an. Langfristig orientierte Käufer nutzten die niedrigeren Preise und trugen so zur Stabilisierung des Marktes bei.
Warum sich der Goldpreis erholte
Die schnelle Erholung auf rund 5.000 US-Dollar lag vor allem daran, dass Anleger die niedrigeren Kurse für Käufe nutzten. Zugleich verbesserte sich die Liquidität am Markt und die Nachfrage nach physischem Gold zog bei den niedrigeren Preisen wieder an. Dennoch bleibt die Volatilität hoch.
Kurzfristig lohnt sich insbesondere der Blick auf einige wichtige Indikatoren: Dazu gehören Positionen in Goldoptionen und -Futures. Auch physische Ströme, insbesondere nach Asien, China und Indien können wertvolle Hinweise darauf geben, wie sich der Markt entwickelt.
Das Gesamtbild
Die Volatilität Ende Januar hat gezeigt, wie anfällig Märkte sind, wenn hohe Hebelwirkungen auf geringe Liquidität treffen. Die Rallye vor der Korrektur wurde von einer breiten und stabilen Anlegerbasis getragen, sowohl von privaten als auch von institutionellen Käufern. Wir gehen davon aus, dass diese breite Nachfrage nach Gold mittelfristig bestehen bleibt.
Fazit: positiver mittelfristiger Ausblick
Die starke Rallye, der abrupte Rückgang und die anschließende Erholung des Goldpreises zeigen, dass Aufwärtstrends selten reibungslos verlaufen. Vor dem jüngsten Preisrückgang hatten wir unsere Übergewichtung in Gold leicht reduziert, da wir nach der Rallye ein erhöhtes Risiko einer technischen Korrektur sahen – zu der es tatsächlich kam. Dennoch behalten wir unsere positive mittelfristige Einschätzung für Gold bei. Wir sind überzeugt, dass Anleger Gold zur Diversifizierung ihres Portfolios und zum Schutz vor Abwärtsrisiken nutzen können.
Für das Jahr 2026 erwarten wir einen durchschnittlichen Goldpreis von etwa 5.200 USD und einen Jahresendstand nahe 5.600 USD. Unterstützung dürfte vor allem von den Goldkäufen der Zentralbanken, einem schwächeren Dollar und einer anhaltend hohen Nachfrage nach sicheren Anlagen aufgrund geopolitischer Spannungen kommen. Kurzfristig könnten Geschenke zum chinesischen Neujahrsfest zwischen Mitte Februar und Anfang März die Nachfrage ankurbeln.