
Unternehmensanleihen bieten das bessere Risiko
Neue Angriffe zwischen Iran und den USA haben wieder geopolitische Unsicherheiten ausgelöst – genau zu Beginn der mit Spannung erwarteten Berichtssaison für das zweite Quartal. Anlegerinnen und Anleger müssen nun makroökonomische Faktoren, Unternehmensgewinne und Fragen über die Nachhaltigkeit von Investitionen in künstliche Intelligenz abwägen.
Wir gehen davon aus, dass dies im Sommer zu erhöhter Volatilität führen kann. Daher halten wir neutrale Positionen in Aktien und Anleihen für den besten Ausgangspunkt für die Sommermonate. Unsere Position in Gold behalten wir bei, da es Diversifikationsvorteile bietet. Im Anleiheportfolio erhöhen wir unsere Übergewichtung von Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating.
Makro: Iran-Konflikt eskaliert erneut
Auf den ersten Blick könnten die erneuten Angriffe zwischen Iran und den USA den Eindruck erwecken, der Konflikt ginge von vorne los. Wir sehen das anders, auch wenn das Gefahrenpotenzial zugenommen hat. Die Phase, in der Energie aus der Golfregion geliefert wurde, hat der Weltwirtschaft einen kleinen zeitlichen Puffer verschafft. Zudem hat die Rahmenvereinbarung nach wie vor Bestand. Wir vermuten weiterhin, dass es zu einer neuen Einigung kommt, da beide Seiten ein großes Interesse daran haben: Iran ist auf Einnahmen aus dem Ölverkauf angewiesen, die USA wollen die Auswirkungen höherer Energiepreise auf die Lebenshaltungskosten begrenzen. Insgesamt halten wir an unserem Basisszenario fest, da sich die Ölpreise im Rahmen unserer Erwartungen bewegen. Wir bleiben daher optimistisch für die Weltwirtschaft und erwarten Wachstum in allen wichtigen Regionen. Gestützt wird diese Annahme durch Investitionen in künstliche Intelligenz, die Energiewende und Verteidigungsausgaben.
Aktien: Berichtssaison stellt die Rallye auf die Probe
Aktien haben sich in diesem Jahr trotz des volatilen geopolitischen Umfelds solide entwickelt. Besonders der IT-Sektor, speziell das Halbleitersegment, hat von den hohen Investitionsausgaben profitiert. Mit den Kursanstiegen sind jedoch auch die Bewertungen im IT-Sektor gestiegen. Zugleich nimmt die Volatilität zu, da Anlegerinnen und Anleger hinterfragen, wie lange der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz anhalten kann. Die Berichtssaison für das zweite Quartal hat offiziell begonnen. Zwar sind die ersten Quartalsberichte ermutigend, doch gibt es Anzeichen dafür, dass manche Aktien bereits sehr hohe Erwartungen einpreisen. Unternehmen, die diese Erwartungen verfehlen, werden von den Märkten abgestraft. Deshalb rechnen wir damit, dass der Sommer Volatilität an den Finanzmärkten bringen kann. Daher haben wir unsere Aktienposition sowie unsere Position im Informationstechnologiesektor auf neutral reduziert.
Anleihen: Unternehmensanleihen erscheinen attraktiv
Anfang 2026 haben wir unsere Position in Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating (IG) zulasten von Staatsanleihen erhöht. Nun bauen wir diese Position weiter aus, da wir IG-Unternehmensanleihen für die attraktivste Anlage des Segments hochwertiger Anleihen halten. Die Aufstockung finanzieren wir durch den Verkauf hochwertiger Staatsanleihen. Mehrere Faktoren stützen diese Einschätzung: Erstens bietet ein solides makroökonomisches Umfeld gute Bedingungen für Unternehmen. Zweitens sind die Unternehmensbilanzen insgesamt stark, die Staatsschulden hingegen hoch. Dies bleibt eine Herausforderung, da viele Länder ihre Verteidigungsausgaben erhöhen müssen. Darüber hinaus bieten IG-Unternehmensanleihen höhere Renditen als Staatsanleihen bei einem vergleichbaren Risikoprofil. Zwar sind IG-Unternehmensanleihen historisch betrachtet teuer, doch auch die Länderaufschläge bei Staatsanleihen sind in den vergangenen Jahren deutlich gefallen. Dadurch erscheinen IG-Unternehmensanleihen im Vergleich zu Staatsanleihen attraktiver.
Fazit
Die erneute Eskalation des Iran-Konflikts hat das Gefahrenpotenzial erhöht, unsere grundsätzliche Einschätzung der wirtschaftlichen Lage jedoch nicht verändert. Wir erwarten weiterhin eine Einigung zwischen den USA und Iran. Hohe Investitionen in künstliche Intelligenz, Energiewende und Verteidigungsausgaben stützen zudem das globale Wachstum. Zwar profitieren auch Aktien von diesen Investitionen, doch sie haben bereits eine starke Entwicklung hinter sich. Das kann im Sommer zu erhöhter Volatilität führen. Daher haben wir unsere Position in Aktien sowie im IT-Sektor zuletzt auf neutral reduziert. Im Portfolio hochwertiger Anleihen erhöhen wir unsere Position in IG-Unternehmensanleihen und reduzieren unsere Position in Staatsanleihen, da IG-Unternehmensanleihen im aktuellen Umfeld ein attraktiveres Risiko-Rendite-Profil bieten. Schließlich halten wir an unserer Goldposition fest: Sie sorgt für Diversifikation im Portfolio und dürfte von langfristigen strukturellen Rückenwinden profitieren.