
Monatsupdate: Investitionswelle trägt die Märkte
Die anhaltenden Unruhen im Nahen Osten, steigende Ölpreise und die Leitzinserhöhungen der Zentralbanken beschäftigen die Anleger derzeit besonders. Die Weltwirtschaft erweist sich jedoch als ausgesprochen widerstandsfähig. Zudem treiben eine Welle von Ausrüstungsinvestitionen das künftige Wachstum. Daher bleiben wir gegenüber Aktien positiv eingestellt. Bei Anleihen sind wir neutral positioniert, bei Gold übergewichtet.
Konjunktur: Energiepreise länger auf höherem Niveau
Der Inflationstrend weist weiter nach oben, da der Ölpreis erneut auf über 100 US-Dollar je Barrel angestiegen ist. Auslöser sind der anhaltende Krieg zwischen den USA und dem Iran, die Schließung der Straße von Hormus sowie die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten, darunter der Angriff auf die Ost-West-Ölpipeline in Saudi-Arabien und das Vorrücken der Huthi-Rebellen in der Nähe des Roten Meeres.
Wir erwarten, dass die Energiepreise, Inflation und Zinsen aufgrund dieser Ereignisse länger auf einem erhöhten Niveau verbleiben. Dies wird das Wirtschaftswachstum vor allem 2027 belasten. Die umfangreichen Investitionen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, grüne Energien und Verteidigung sind jedoch hoch genug, um auch im kommenden Jahr in allen wichtigen Regionen ein robustes Wirtschaftswachstum zu sichern.
Infolge der Inflationsentwicklungen hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) einstimmig beschlossen, ihren Leitzins um 25 Basispunkte anzuheben. Die Entscheidung zeigt vorerst eine Distanz von Fed-Chef Kevin Warsh zu US-Präsident Donald Trump, zumindest was dessen Forderung nach schnellen Zinssenkungen anbetrifft. Wir erwarten für dieses Jahr eine weitere Zinserhöhung der Fed. Auch die EZB hat ihren Leitzins im September erneut angehoben. Wir rechnen im verbleibenden Jahresverlauf mit zwei weiteren Zinsschritten.Anleihen: Renditen im Aufwind
Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen. Hauptursache hierfür sind höhere Inflationserwartungen infolge steigender Öl- und Gaspreise. In den USA, Japan, und Europa haben die Renditen von Staatsanleihen Mehrjahreshöchststände erreicht. Teilweise wurden die Renditen durch Sorgen der Anleger über die Entwicklung von Staatsschulden oder durch steigende politische Risiken nach oben getrieben. So betrug der Renditeabstand zwischen französischen und deutschen zehnjährigen Staatsanleihen beispielsweise im September zeitweise mehr als 100 Basispunkte, das höchste Niveau seit 2012.
Diese Entwicklungen stützen die Skepsis, die wir seit geraumer Zeit den Staatsanleihen innerhalb des Segments qualitätsstarker Anleihen gegenüberbringen. Gleichzeitig bleiben wir gegenüber hochwertigen Unternehmensanleihen positiv eingestellt, da diese im direkten Vergleich attraktivere Risiko-Rendite-Eigenschaften aufweisen.
Ausgehend vom aktuellen Renditeniveau erwarten wir kurzfristig weiteren Aufwärtsdruck, da die Zentralbanken die Zinsen voraussichtlich noch vor Ende 2026 weiter anheben werden. Im Verlauf des Jahres 2027 rechnen wir jedoch mit sinkenden Renditen, da der Hochpunkt der Leitzinsen unserer Ansicht nach niedriger ausfallen wird, als es die Märkte derzeit einpreisen.Aktien: trotz Herausforderungen weiterhin positiv
Hohe Ölpreise, eine hartnäckige Inflation und Zinserhöhungen der Zentralbanken stellen Herausforderungen dar, denen Aktienanleger derzeit besondere Aufmerksamkeit schenken sollten. Dennoch haben sich die Aktienmärkte als widerstandsfähig erwiesen. Die umfangreichen Investitionen in die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz bleiben ein wichtiger Treiber des Wirtschaftswachstums und der Unternehmensgewinne, insbesondere in den USA und den Schwellenländern. Der stabile Wachstumsausblick für alle wichtigen Wirtschaftsregionen – wenn auch etwas schwächer als in unseren früheren Prognosen – stützt eine positive Einschätzung für Aktien. Darüber hinaus bleiben die Erwartungen an das Gewinnwachstum der Unternehmen im kommenden Jahr solide und bewegen sich im zweistelligen Bereich. Dabei zeichnet sich ab, dass das Gewinnwachstum nicht mehr auf die Hauptprofiteure der KI-Investitionen beschränkt ist, sondern sich über den breiteren Markt verteilt. Schließlich sind die Bewertungen zwar weiterhin hoch, doch starke Gewinne und seitwärts tendierende Märkte haben sie attraktiver werden lassen. Vor diesem Hintergrund behalten wir unsere Übergewichtung in Aktien bei und bevorzugen regional die Schwellenländer und die USA.
Fazit
Die aktuellen Entwicklungen rund um steigende Ölpreise haben bei Anlegern Sorgen verursacht. Zwar sehen wir eine zunehmende Belastung für das Wirtschaftswachstum, doch umfangreiche Ausrüstungsinvestitionen in die Infrastruktur Künstlicher Intelligenz wirken den negativen Auswirkungen entgegen und stabilisieren das BIP-Wachstum. Bei Anleihen bevorzugen wir weiterhin das Segment der qualitätsstarken Anleihen. Im Segment hoher Bonitäten erscheinen hochwertige Unternehmensanleihen gegenüber Staatsanleihen relativ attraktiv. In unserem Aktienportfolio bevorzugen wir die USA und die Schwellenländer dank ihrer attraktiven Aussichten für das Gewinnwachstum. Gold trägt zur Diversifikation des Portfolios bei.