
Economic Research: US-Leitzins bleibt unverändert
Die US-Notenbank hat die Leitzinszielspanne gestern unverändert gelassen. Eine Zinssenkung steht wegen der hohen Inflationsraten vorerst nicht an. Diese rückt auf die Agenda, wenn sich die Inflationsraten dem 2,0-%-Zielwert wieder annähern und sich der Arbeitsmarkt schwächer zeigt.
Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) hat unter der Leitung seines neuen Vorsitzenden Kevin Warsh gestern beschlossen, die Leitzinszielspanne von 3,50–3,75 % beizubehalten. Eine Zinssenkung ist wegen der aktuell zu hohen Inflationsraten nicht mehrheitsfähig. Die aktualisierten Leitzinsprojektionen der FOMC-Mitglieder zeigen, dass neun Mitglieder bis Ende dieses Jahres sogar ein höheres Zinsniveau für angemessen halten. Acht Mitglieder sprechen sich für ein unverändertes Niveau und ein Mitglied für eine Zinssenkung aus. Warsh enthielt sich, wie er auf der Pressekonferenz bestätigte.
War in den vorausgegangenen Offenmarktausschusssitzungen der Dissens unter den Ausschussmitgliedern über den Kurs in der Geldpolitik recht groß, fiel der Zinsbeschluss dieses Mal einstimmig aus. Die Presseerklärung ist ungewöhnlich kurz gefasst. Der bislang enthaltene Hinweis auf künftige Zinsschritte (Forward Guidance) wurde gestrichen. Hier zeigt sich ein erster Einfluss des neuen Fed-Chefs, der eine zurückhaltendere Kommunikationspolitik präferiert. Weitere Änderungen beim geldpolitischen und operativen Rahmen zeichnen sich für die Zukunft ab. Mehrere neu eingerichtete Arbeitsgruppen sollen dazu bis Ende dieses Jahres Empfehlungen erarbeiten.
Erfahrungsgemäß sind die FOMC-Leitzinsprojektionen keine zuverlässigen Prognosen. Die Finanzmärkte preisen nun zwar eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein. Entscheidend bleibt aber, wie sich die Inflation und der Arbeitsmarkt weiter entwickeln. Da die Höchststände bei der Inflation wohl erreicht sind und sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt bis Ende dieses Jahres eher verschlechtern dürfte, bleibt für uns eine Zinssenkung im Dezember dieses Jahres ebenso im Spiel wie zwei weitere Senkungen im kommenden Jahr.
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