
Economic Research: Lichtblick bei der Produktion
Die Produktion im deutschen Produzierenden Gewerbe hat im Mai erneut zugelegt. Alles in allem bleibt die Dynamik aber recht verhalten. Strukturelle Gründe sprechen gegen eine bald merklich bessere Kapazitätsauslastung. Es braucht weiterhin mehr politischen Mut zu Reformen.
Das Statistische Bundesamt meldet heute, dass die Produktion im Produzierenden Gewerbe in Deutschland im Mai um 0,9 % zum Vormonat gestiegen ist. Das ist das zweite Plus in Folge. Allerdings entspricht das Produktionsniveau lediglich dem des Vorjahres.
Alles in allem hat sich die Produktionsentwicklung jüngst etwas aufgehellt. Der Iran-Krieg dürfte zwar gebremst haben, weil Produktionsmittel fehlten oder sich diese deutlich verteuert haben. Dadurch sind Produktionskosten gestiegen und Gewinnmargen unter Druck geraten. Im Zuge der aktuellen Entspannung im Nahen Osten erwarten wir aber, dass dieser Bremsklotz beiseitegeschoben wird. Hierfür spricht auch der im Trend anziehende Auftragseingang in der Industrie.
Der Blick bei der Produktion geht also nach oben, für uns aber nur verhalten. Das hat strukturelle Gründe. So dürfte sich die Produktion im energieintensiven Gewerbe ebenso wenig nachhaltig erholen wie in der Automobilindustrie. Das jüngst angekündigte Reformpaket der Bundesregierung geht zwar in die richtige Richtung. Es ist unseres Erachtens aber nicht der Meilenstein, der strukturelle Hemmnisse überwindet. Wir rechnen deshalb mit einer nur sehr langsam steigenden Kapazitätsauslastung. Wegen anhaltender Standortnachteile dürften Investitionen zudem nicht breitflächig erfolgen. Auch wird sich der
Abbau von Industriearbeitsplätzen zunächst wohl fortsetzen.
Wäre der Staatsverbrauch nicht beständig gewachsen, hätte das deutsche BIP in den vergangenen Jahren nicht mal stagniert. Neben Strukturreformen ist es daher weiter wichtig, dass die industriellen Produktionsverluste von nicht-staatlichen Dienstleistungen mindestens aufgefangen werden. Wachstum und Wohlstand werden sich unseres Erachtens nur mit einer forcierten Standortpolitik erreichen lassen. Dazu braucht es aus unserer Sicht mehr politischen Mut.
Die vollständige Ausgabe des Economic Research lesen Sie im PDF