
Economic Research: Fed reißt der Geduldsfaden
Die US-Notenbank hat ihre Leitzinszielspanne gestern um 25 Basispunkte auf 3,75–4,00 % angehoben. Sie ist mit den Fortschritten beim Inflationsrückgang unzufrieden, zudem bestehen Inflationsrisiken. Für die Sitzung im Dezember 2026 erwarten wir noch eine weitere Zinserhöhung.
Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) hat gestern eine Anhebung der Leitzinszielspanne um 25 Basispunkte auf 3,75–4,00 % beschlossen. Zuletzt ausbleibende Fortschritte beim Inflationsrückgang gaben wohl den Anstoß dafür, dass sich im FOMC die Mehrheitsverhältnisse klar Richtung Zinserhöhung verschoben haben: Zur Juni-Sitzung waren es nur drei Mitglieder, nun stimmten alle zwölf für eine Leitzinserhöhung. Das ist eine klare Entscheidung.
Bei der Fed hat die Zuversicht abgenommen, dass die Inflation ohne weiteres Zutun der Geldpolitik in einem überschaubaren Zeitraum zum 2,0-%-Zielwert zurückkehren wird. Vom länger anhaltenden Iran-Krieg gehen zudem neue Inflationsrisiken aus. Zum Zinsausblick verwies Fed-Chef Kevin Warsh auf seiner Pressekonferenz, dass das FOMC weiterhin datenabhängig von Sitzung zu Sitzung über das angemessene Leitzinsniveau entscheiden werde. Die aktualisierten Leitzinsprojektionen der FOMC-Mitglieder zeigen, dass sie im Median bis Ende 2026 eine weitere Zinserhöhung für angemessen halten und das Leitzinsniveau bis Ende 2027 beizubehalten beabsichtigen. Der Terminmarkt preist derzeit einen strafferen Leitzinserhöhungskurs ein.
Aktuell ist der Inflationsdruck vor allem durch einen energiepreisbedingten Angebotsschock getrieben. Andere Inflationstreiber bleiben in der Deckung: Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ist recht solide, der Arbeitsmarkt zeigt keine Überhitzungsanzeichen, die Inflationserwartungen sind recht gut verankert. Ein straffer Zinserhöhungszyklus ist unseres Erachtens deshalb nicht notwendig. Das Mittel der Wahl ist für die Fed, den Leitzins prophylaktisch und fein dosiert zu erhöhen. Wir erwarten noch einen Zinsschritt für Dezember 2026. US-Präsident Trump wird das nicht gefallen, der günstigere Finanzierungskosten versprochen hatte und mit schlechten Umfragewerten kämpft.