
Economic Research: EWU-Inflation sinkt
Durch die Entspannung bei den Energiepreisen ist die EWU-Inflationsrate im Juni auf 2,8 % gefallen. Hält die Konfliktberuhigung in Nahost an, wird die Rate noch etwas sinken, vorerst aber klar über 2,0 % liegen. Für September rechnen wir weiter mit einer Zinserhöhung der EZB.
Wie Eurostat heute für Juni mitgeteilt hat, lag der jährliche Anstieg der EWU-Inflationsrate vorläufig bei 2,8 %. Die Rate fällt niedriger aus als mit 3,2 % im Mai. Maßgeblich hierfür war der gesunkene Druck seitens der Energiepreise, die merklich niedriger notieren als im Vormonat. Im Vorjahresvergleich steht hier jedoch noch ein Plus von 8,7 %. Die anderen Preisgruppen glichen sich in ihrer Wirkung weitgehend aus. Die Kerninflationsrate liegt jetzt bei 2,4 %, nach 2,6 % im Mai.
Der Nahost-Konflikt scheint sich zu befrieden. Die Straße von Hormus öffnet sich und der Rohölpreis ist kräftig gesunken. Lag der Brent-Preis im Durchschnitt des Monats Juni noch bei 84 US-$/b, betrug er gestern 73 US-$/b. Bleibt die Entspannung hier bestehen, wovon wir ausgehen, dürfte die Inflationsrate weiter sinken. Preisüberwälzungen sind jedoch unterwegs, die gestiegenen Kosten für Unternehmen werden sich wohl noch auf manche Ausgabekategorie ausweiten. Das spricht unseres Erachtens gegen ein schnelles Fallen der Inflationsrate zum 2,0-%-Preisziel der EZB. Wir erwarten, dass die Rate 2,5 % imAugust erreicht und dort erst einmal verharrt.
EZB auf dem Posten
Die EZB hat ihre Inflationsprojektionen seit März 2026 deutlich angehoben. Mit 3,0 % für 2026 liegt diese deutlich über dem symmetrischen Preisziel. Auch wenn dies derzeit eher pessimistisch erscheint, haben Ratsmitglieder zuletzt immer wieder Sorgen vor Zweitrundeneffekten durch den zurückliegenden Energiepreisanstieg geäußert. Unseres Erachtens ist der Fokus der EZB deshalb weiter auf eine Leitzinserhöhung gerichtet. Wir bestätigen unsere Sicht, dass die Notenbank im September eine weitere Zinserhöhung beschließen wird, wenn ihre aktualisierten Projektionen vorliegen.
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