
Economic Research: Breiter Preisdruck bei Waren
Durch den Iran-Krieg sind Energie- und Materialpreise für Unternehmen gestiegen. Wir erwarten schon länger, dass dies größtenteils auf Verbraucher überwälzt wird. An dieser Sicht halten wir fest. Die deutsche Vorgabe hält den Blick auf eine EZB-Zinserhöhung im September gerichtet.
Am vergangenen Freitag hat das Statistische Bundesamt den deutschen Verbraucherpreisanstieg von 2,3 % gegenüber Vorjahr für Juni 2026 bestätigt und die Details veröffentlicht. Diese sind aus unserer Sicht deshalb interessant, da sie Aufschluss über eine Verbreiterung des Inflationsschubs und damit über Zweitrundeneffekte geben. Immerhin war der Rohölpreis nach dem Ausbruch des Iran-Krieges Ende Februar und der Schließung der Straße von Hormus kräftig gestiegen, ebenso die Preise anderer Energieträger und Vorleistungsprodukte. Das betrifft auch den Euroraum insgesamt. Da es sich nicht um ein Intermezzo handelt, befürchten wir weiter, dass Teile der gestiegenen Kosten über kurz oder lang auch die Endverbraucher erreichen.
Anders als in den vergangenen Monaten bestätigt das Juni-Ergebnis unsere Sicht dieses Mal weniger. Dennoch erwarten wir, dass sich der Überwälzungsprozess fortsetzen wird. Die Detailergebnisse erlauben einen Blick auf die Gewerblichen Waren ohne Energie, die aus rund 100 Teilindizes bestehen. Werden die monatlichen Preissteigerungen für einen Dreimonatsschnitt von niedrig zu hoch angeordnet, zeigt sich, dass der Preisdruck in der Breite zugenommen hat. Der Median zeigt hier klar nach oben, ebenso auch andere Verteilungsmaße (25 %- und 75 %-Quantil). Der Preisdruck hat also viele Warenkategorien erfasst. Bei Nahrungsmittelpreisen hat er noch nicht zugenommen und sich bei Dienstleistungspreisen nicht weiter verstärkt.
Angesichts des hohen Gewichts der deutschen Verbraucherpreise im EWU-HVPI rechnen wir damit, dass auch dieser für Juni grundsätzlich auf weitere Zweitrundeneffekte hindeuten wird (Veröffentlichung 17.07.). Für die EZB ist die deutsche Vorgabe unseres Erachtens aber schon heute ein Hinweis, wachsam zu bleiben. Für September rechnen wir unverändert mit einer Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte.
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